Am Freitag zieht die Unwetterfront über die Stadt. Der Deutsche Wetterdienst warnte für Berlin und Brandenburg vor teils schweren Gewittern mit Starkregen bis 25 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, Hagel und schweren Sturmböen um 100 km/h.
Danach sacken die Werte weg. Samstag rund 24 Grad, Sonntag um 21, am Montag nur noch etwa 18 Grad in Berlin. Der DWD sieht den Nordosten bis zum 23. Juli leicht unbeständig und nur mäßig warm, während es im Südwesten sonniger und wärmer bleibt.
Die Frage, die trotzdem gestellt wird: Kommt der nächste Heat Dome?
Was die Modelle für Ende Juli rechnen
Meteored-Meteorologe Johannes Habermehl hält die Verschnaufpause für kurz. Zum Monatsende rechnen die Modelle ein neues Hitzereservoir über Nordafrika, Spanien und dem Mittelmeerraum; das Azorenhoch verstärkt sich im Zusammenspiel mit einem Islandtief und dreht die Grundströmung auf Südwest. Bis zum 28. Juli könnten die Temperaturen wieder auf 28 bis 35 Grad klettern, örtlich sind bis zu 39 Grad im Spiel.
Sein eigener Vorbehalt ist deutlich: Die Kontrollläufe zeigen bis zum 28. Juli im Mittel ein Plus von 2,6 bis 3,1 Grad – zu warm, ja, aber Werte jenseits der 40 Grad bilden bislang nur die heißesten Einzellösungen ab.
Andere Rechnungen sehen es kühler. Nach dem ECMWF-Trend ist vom 20. bis 26. Juli kaum noch eine Niederschlagsabweichung festzustellen, die Temperaturen sollen sich auf moderat warme Werte abkühlen.
Seriös lässt sich daraus heute genau ein Satz ableiten: Eine neue Hitzephase Ende Juli ist wahrscheinlich, ein zweiter Rekord-Heat-Dome ist sie nicht. Wer für die letzte Juliwoche schon 40 Grad in die Schlagzeile schreibt, rechnet mit dem Ausreißer, nicht mit dem Modell.
Warum die Frage für Berlin brisant ist
Der Rekord dieses Sommers fiel nicht am Oberrhein, sondern in Brandenburg. Nach vorläufigen Messungen des DWD wurde am 28. Juni in Neißemünde-Coschen mit 41,7 Grad der deutschlandweite Allzeitrekord aufgestellt – der bisherige offizielle Bestwert lag bei 41,2 Grad vom 25. Juli 2019 in Duisburg-Baerl und Tönisvorst. Die endgültige Qualitätsprüfung des DWD steht noch aus.
In Berlin wurde die 40-Grad-Marke zum Monatsende nur um 0,1 Grad verfehlt. Der Juni lag in der Hauptstadt mit 17,1 Grad um 3,2 Grad über dem Mittel, mit rund 49 Litern pro Quadratmeter fiel im Ländervergleich nirgends weniger Regen.
Genau das ist der Punkt. Trockene Böden verdunsten kaum noch Wasser, die Energie geht komplett ins Aufheizen. Dazu ist das Mittelmeer stellenweise bis zu 7 Kelvin zu warm – beides wirkt als Turbolader für jede Hitzeglocke.
Die Folgen sind in Brandenburg schon jetzt sichtbar. Anfang der Woche galt in 13 von 14 Landkreisen die Waldbrand-Warnstufe 4, tags zuvor stand in Elbe-Elster, Märkisch-Oderland, Oder-Spree und Frankfurt (Oder) die höchste Stufe 5.
Der Heat Dome, erklärt
Hinter dem Begriff steckt eine blockierte Großwetterlage. Ein stabiles Hochdruckgebiet wird von zwei Tiefs flankiert und bildet in der Höhenströmung ein Muster, das an das griechische Omega erinnert. Solche Lagen blockieren die atmosphärische Zirkulation, das Wetter ändert sich über Tage oder Wochen kaum. Unter der Kuppel sinkt Luft ab, wird komprimiert und erwärmt sich – Tag für Tag ein Stück mehr.
Ein verbreiteter Denkfehler, den Habermehl aufgreift: Ende Juli sei es wegen der kürzeren Tage nicht mehr so heiß. Tatsächlich verliert der Tag bis Ende Juli gegenüber der Sonnenwende nur rund eine Stunde Sonnenschein, und wegen der Wärmeträgheit von Boden, Luft und Meer hinkt das Temperaturmaximum dem Sonnenmaximum vier bis sechs Wochen hinterher.
Die Zahl, um die es eigentlich geht
Das Robert Koch-Institut schätzt in seinem Wochenbericht vom 9. Juli, dass die Hitzeperiode Ende Juni in Deutschland zu etwa 5.100 hitzebedingten Sterbefällen geführt hat. Die Übersterblichkeit lag laut Statistischem Bundesamt in der Kalenderwoche 26 bei geschätzt 6.800 Fällen. Allein auf die Woche vom 22. bis 28. Juni entfielen nach RKI-Schätzung rund 4.310 hitzebedingte Todesfälle.
Zur Einordnung gehört auch: Es handelt sich um Modellschätzungen, und Hitze macht einen eher kleinen Anteil an allen Todesursachen aus – in Deutschland sterben pro Jahr knapp eine Million Menschen.
Was diese Woche zählt
Die kühlen Nächte sind das Fenster. Wohnung durchlüften, Rollläden für die kommende Woche prüfen, Ventilator testen, Pflanzen wässern.
Ob die Hundstage – die Zeit vom 23. Juli bis 23. August – den Rekord-Juni übertreffen, kann heute niemand seriös sagen. Die Zutaten liegen bereit. Die Wetterlage, die sie zusammenrührt, ist noch nicht entschieden.
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