Seit dem 5. Oktober umfahren mehrere ICE-Verbindungen aus Mecklenburg-Vorpommern den Hamburger Hauptbahnhof. Betroffen sind täglich drei Züge in Richtung Nordrhein-Westfalen beziehungsweise Hannover sowie drei Verbindungen in der Gegenrichtung. Die Regelung soll nach Angaben der Deutschen Bahn zunächst bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember gelten.
In Richtung Westen halten die ICE 1033, 1037 und 1535 nicht mehr am Hamburger Hauptbahnhof. In der Gegenrichtung betrifft die Änderung die ICE 1536, 1036 und 1032. Die Züge verkehren stattdessen über Hamburg-Bergedorf und Hamburg-Harburg. Reisende mit Ziel Hamburger Innenstadt müssen dort auf den Nahverkehr umsteigen.
Die frühen ICE 1521 und 585 von Rostock nach Hamburg sowie die spätabendlichen ICE 588 und 1520 in Richtung Rostock sollen weiterhin den Hauptbahnhof anfahren.
Begründung: Bahn will so Pünktlichkeit stabilisieren
Die Deutsche Bahn begründet die Änderung mit betrieblichen Abläufen und der hohen Auslastung des Hamburger Hauptbahnhofs. Die betroffenen Fernzüge müssen dort die Fahrtrichtung wechseln. Dabei könnten Wartezeiten entstehen, die sich bei den langlaufenden Verbindungen auf den weiteren Reiseverlauf auswirkten.
Durch die direkte Fahrt nach Bergedorf und Harburg sollen zusätzliche Verzögerungen vermieden und die Pünktlichkeit stabilisiert werden. Die Züge werden damit nicht vollständig gestrichen - für viele Fahrgäste verlängert sich durch den zusätzlichen Umstieg jedoch die Reisezeit.
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Für die vielen Pendler aus MV - dem Land der Pendler - kommt die zusätzliche Fahrtzeit von Hamburg-Bergedorf oder Hamburg-Harburg zum Hauptbahnhof und zurück zu ihrer ohnehin langen täglichen Fahrzeit zur Arbeit hinzu. Die Streichung der Halte bedeutet für viele mindestens 45 Minuten mehr, sofern sie so überhaupt noch ihre Anschlussverbindungen schaffen. Das sind beispielsweise 45 Minuten weniger Zeit mit den Kindern am Abend zu Hause.
Schwerins Oberbürgermeister übt deutliche Kritik
In Mecklenburg-Vorpommern stößt die kurzfristig angekündigte Änderung auf erheblichen Widerstand. Schwerins Oberbürgermeister Sebastian Ehlers kritisierte insbesondere, dass der zentrale Umstiegsknoten Hamburg für mehrere Verbindungen nicht mehr erreichbar sei.
„Der Wegfall des Umstiegs am Hamburger Hauptbahnhof für täglich drei ICE-Verbindungen stellt für die Landeshauptstadt eine erhebliche Verschlechterung der Anbindung an den Fernverkehr dar“, erklärte Ehlers.
Der Hamburger Hauptbahnhof.
© Benjamin Haller/dpa
Das Vorgehen erinnere an die Verzögerungen bei der Generalsanierung der Bahnstrecke Hamburg–Berlin und an die zunächst angekündigte Streichung einer frühen ICE-Verbindung nach Hamburg. „Wir werden ohne Vorwarnung vor vollendete Tatsachen gestellt, um Verschlechterungen kurzfristig durchzudrücken“, sagte der Oberbürgermeister.
Eine verlässliche Fernverkehrsanbindung sei nicht nur für Reisende wichtig, sondern auch ein bedeutender Standortfaktor. „Deshalb ist es nicht hinnehmbar, dass Schwerin, Rostock, Stralsund und andere Städte in MV von schnellen Bahnverbindungen über den Knotenpunkt Hamburg abgekoppelt werden“, so Ehlers am Dienstag.
Landesregierung erst kurzfristig informiert
Auch Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Verkehrsminister Wolfgang Blank hatte zuvor enttäuscht reagiert. Sein Ministerium war erst in der Woche vor Inkrafttreten der Änderung informiert worden.
Blank verwies darauf, dass nach dem Abschluss der Generalsanierung der Strecke Hamburg–Berlin mit einer Normalisierung des Fernverkehrs gerechnet worden sei. Zwar bestünden in Bergedorf und Harburg Anschlüsse an den Hamburger Nahverkehr, für zahlreiche Fahrgäste werde die Verbindung dadurch jedoch langsamer und unattraktiver.
Der Minister warnte zudem vor einem möglichen Kreislauf: Eine Einschränkung des Angebots könne zunächst zu sinkender Nachfrage führen, die später wiederum als Begründung für weitere Kürzungen herangezogen werde. Eine dauerhafte Umfahrung des Hamburger Hauptbahnhofs werde die Landesregierung nicht hinnehmen. Von der Bahn verlangt Blank außerdem, das Land bei künftigen Fahrplanänderungen früher einzubeziehen.
IHK spricht von „fatalem Signal“
Unterstützung erhält die Kritik aus der regionalen Wirtschaft. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Matthias Belke, bezeichnete die Entscheidung als „fatales Signal“ und als Zumutung für Menschen und Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern.
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Gerade nach Monaten mit Baustellen, Umleitungen und Einschränkungen sei eine zuverlässige Verbindung über Hamburg für Westmecklenburg von großer Bedeutung. Der Wegfall des Halts betreffe nicht nur Pendler und Urlauber, sondern auch Geschäftsreisende und Unternehmen, die auf eine schnelle Erreichbarkeit angewiesen seien.
Aus Stralsund kommt ebenfalls Kritik. Reisende beklagen zusätzliche Umstiege und längere Fahrzeiten, obwohl die Preise für Fernverkehrstickets hoch seien.
Rückkehr der Halte noch nicht abschließend geklärt
Nach derzeitigem Stand soll die Änderung mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember enden. Eine verbindliche öffentliche Zusage, dass anschließend sämtliche betroffenen ICE wieder am Hamburger Hauptbahnhof halten werden, liegt bislang jedoch nicht vor.
Offen ist außerdem, wie viel Zeit die Deutsche Bahn durch die Umfahrung tatsächlich einspart. Konkrete Angaben zum erwarteten Pünktlichkeitsgewinn hat das Unternehmen bisher nicht veröffentlicht. In einem Eisenbahnforum wird zudem für den ICE 1033 ein längerer betrieblicher Aufenthalt in Hamburg-Rothenburgsort von 21 Minuten diskutiert. Diese Angabe ist bislang nicht offiziell bestätigt.
Für die betroffenen Reisenden bleibt damit vorerst nur, ihre Verbindung vor Fahrtantritt genau zu prüfen und für den Umstieg in Hamburg-Bergedorf oder Hamburg-Harburg zusätzliche Zeit einzuplanen.
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