Nach neunmonatiger Arbeit hat der Arbeitsausschuß der Gedenkstätte Hohenschönhausen ein Nutzungskonzept für die ehemalige Stasi-U-Haftanstalt in der Genslerstraße vorgelegt. Bei einer Anhörung wurde der Entwurf von Opferverbänden gestern abend stark kritisiert.Im Mittelpunkt der Konzeption stehen laut Gedenkstättenleiterin Gabriele Camphausen ein Rundweg durch die ehemalige U-Haftanstalt sowie die Dokumentation und Ausstellung ihrer Geschichte zwischen 1945 und 1989. Schwerpunkte der Dokumentation sollen die Themen "Internierungs- und Haftpolitik der sowjetischen Besatzungsmacht", "Das Gefängnis unter der Regie des MfS" sowie die "Sicht der Betroffenen" sein. Darüber hinaus soll es für die Besucher Bildungsangebote wie Bibliothek, Archiv, Medienraum und Publikationen sowie eine enge Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen geben."Das zentrale Anliegen ist es", so Camphausen, "an Hand des Gefängnisses über die politische Verfolgung in der SBZ und der DDR sowie das System der politischen Justiz in der DDR zu informieren." In dem Gebäudetrakt an der Genslerstraße wurden nach 1945 von den Geheimdiensten der Sowjetunion und der DDR Zehntausende von Menschen interniert und gefoltert. Die Angaben über die Zahl der Getöteten reichen bis zu mehreren tausend.Während die Konzeption von Historikern und Experten wie dem Abteilungsleiter in der Senatsjustizverwaltung, Christoph Flügge, als "Schritt in die richtige Richtung" gelobt wurde, übten Vertreter von Opferverbänden massive Kritik. So attackierte Hermann Kreutzer vom "Kurt-Schumacher-Kreis" die "unerhörten Kosten" und sprach von "Geschichtsklitterung". Es fehle, assistierte Harald Strunz vom "Bund Stalinistisch Verfolgter", ein "deutlicher Antikommunismus". Hans-Joachim Helwig-Wilson vom "Arbeitskreis ehemaliger politischer Häftlinge in der SPD" forderte ein größeres Mitspracherecht der Ex-Insassen. Gleichzeitig warf er dem Ausschuß mangelnde Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort vor: "Nicht gezeigt werden die Bedingungen von Isolation und Entpersonalisierung, wie sie für die Haftanstalt spezifisch waren."Camphausen äußerte Verständnis für die Kritik, führte die scharfe Frontstellung aber auch auf Empfindlichkeiten der "Verbandsszene" zurück: "Hier wird auch bewußt nach Zündstoff gesucht", sagte sie. Ihren Angaben zufolge wird der Ausschuß die Anhörungsergebnisse in die endgültige Konzeption einarbeiten. Diese müsse dann von Abgeordnetenhaus und Bundesinnenministerium bestätigt werden. Danach könne die vorgesehene Stiftung gegründet werden, die von Bund und Land Berlin getragen werden soll. Dies könne noch 1997 geschehen. Wann die Gedenkstätte selbst eröffnet wird, konnte Camphausen nicht sagen. Zum Jahreswechsel 1997/98 sei aber eine erste "Werkstattschau" denkbar. +++
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