Zwei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren sind in der Nacht zum Dienstag in den Kosovo abgeschoben worden. Minor und Mentor Iseni waren am Montag gegen elf Uhr in der 4. Gesamtschule Hohenschönhausen und im Oberstufenzentrum Körperpflege aus dem Unterricht heraus verhaftet worden. Noch am Abend wurden die Jungen in den Kosovo ausgeflogen. Ihr Vormund Ingrid Kolberg war erst am Mittag telefonisch von der Abschiebung unterrichtet worden. "Die Ausländerbehörde teilte nur mit, dass ich warme Kleidung bereit stellen sollte, weil es ja da unten kalt sei", sagte Ingrid Kolberg.Bei Flüchtlingsgruppen und Parteien hat die Abschiebung für große Empörung gesorgt. Zeitgleich zur Verhaftung hatte der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses beschlossen, dass Jugendliche, die "sich weitgehend in der Berufsausbildung befinden", vorerst nicht abgeschoben werden. Auch Roma würden während der Wintermonate bis zum 31. März nicht ausgewiesen. Nach Angaben von Ingrid Kolberg existieren Dokumente, wonach die Isenis Roma sind. Wie Fachanwalt Claus Rosenkranz der Berliner Zeitung sagte, müsse zudem nach dem Aufenthaltbestimmungsrecht der Vormund rechtzeitig schriftlich informiert werden. "Früher hat sich die Ausländerbehörde daran gehalten", sagte Rosenkranz. Traudl Vorbrodt von Pax Christi und Mitglied der Härtefallkommission, nannte die Abschiebung eine "einzige Schweinerei". "Die Ausländerbehörde handelt politisch instinktlos", sagte der Grünen-Politiker Volker Ratzmann. Karin Hopfmann (PDS) sprach von einem unverantwortlichen Vorgehen.Seit Ende 2001 wohnen die Jungen bei den Kolbergs in Hohenschönhausen, seit Anfang Februar 2002 hat Ingrid Kolberg offiziell die Vormundschaft, da der Vater der Jugendlichen seit Jahren von der Familie getrennt ist, die Mutter sich nie kümmerte und schließlich eines Tages verschwunden war. Nachdem die immer wieder verlängerte Aufenthaltsduldung für die Jungen am letzten Freitag ausgelaufen war, wollte Ingrid Kolberg Anfang dieser Woche die Adoption beantragen.Die Ausländerbehörde weist die Vorwürfe zurück. Henrike Morgenstern, Sprecherin von Innensenator Ehrhart Körting (SPD), sagte, das Ausbildungsende sei "nicht so nah", wie im Innenausschuss festgelegt. Auch würden sich die Eltern im Kosovo aufhalten. Laut Ausländerbehörde handelt es sich bei der Familie zudem nicht um Roma.Die Kolbergs sagen, über den Aufenthaltsort der Eltern keine Information zu haben. Minor mache seit Herbst eine Ausbildung am Oberstufenzentrum. Er sei der Beste der Klasse. Die Lehrgänge für Jugendliche ohne Lehrstelle sind aber nicht als Ausbildung anerkannt. Mentor verfehlt das formale Aufenthaltsrecht um ein knappes Jahr.Foto: PRIVAT Mentor Iseni.Foto: PRIVAT Minor Iseni
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