Der Heimatverein Oesig aus Blankenburg im Harz gehört zu den ersten Trägern des Bundespreises Heimatengagement. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat hat die Auszeichnung beim Bundeskongress Heimat in Berlin erstmals unter diesem Namen vergeben. Geehrt wurden sechs Initiativen aus ganz Deutschland, die jeweils 1000 Euro erhalten.
Ausgezeichnet wurde der Verein für sein Projekt „Alte Schule, neue Heimat“. Die frühere Diesterweg-Schule öffnete 1976, nach ihrer Schließung bauten Einwohner und Mitglieder das Gebäude in Eigenregie um. 2005 war der Umbau nach mehr als 20.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden abgeschlossen. Nun soll das Haus erhalten und zu einem vielseitigeren Begegnungsort weiterentwickelt werden.
Mit etlichen Veranstaltungen zieht der Heimatverein in Oesig neue Mitglieder an. Für sein Engagement wurde der Verein nun mit einem Bundespreis bedacht.
© Heimatverein Oesig
Vereinsvorsitzender Ole Stöhr freut sich weniger über das Geld als über die Anerkennung selbst. „Unser Dank gilt dem Landesheimatbund, der uns für den Preis als Kandidat vorgeschlagen hat, sowie unserem Bürgermeister Heiko Breithaupt und seinem Stellvertreter Norman Wegner“, sagt er im Gespräch mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Gebrauchen kann der Verein das Geld dennoch.
Mit EU-Fördergeld für ländliche Räume wurde zwischen Ende August und Anfang Oktober bereits die Fassade des Gebäudes ausgebessert und neu gestrichen. „Das Außengelände haben wir auf Vordermann gebracht, jetzt folgt noch der Innenbereich. Da hilft natürlich jeder Cent.“
Minister kündigt weitere Ehrung an
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, Schirmherr des Kongresses, sagte, Heimat lebe von Menschen, die anpacken und Verantwortung übernehmen. Mit dem neuen Preis wolle sein Ministerium diesen Einsatz würdigen und ausdrücklich Danke sagen. Die Projekte zeigten, dass Heimat dort entstehe, „wo Menschen gemeinsam gestalten“.
Für den Heimatverein Oesig ist der Bundespreis nicht die erste Auszeichnung: Im September 2025 ernannte das Land ihn zu einem der ersten drei Engagementbotschafter Kultur, die Amtszeit läuft bis 2027. Seit einem Vierteljahrhundert pflegen die Mitglieder Heimatkultur, den Zusammenhalt im Stadtteil und das Ehrenamt auf dem Land.
Alte Schule als Anlaufpunkt
Wie das Gebäude künftig genutzt wird, entscheiden die Oesiger gemeinsam. 2020 beschloss der Verein ein Leitbild und befragte Besucher eines Festes nach ihren Wünschen. Geplant ist zudem eine Bürgerwerkstatt. Schon heute ist die alte Schule ein Treffpunkt über den Ort hinaus: Im April kamen dort Heimat- und Kulturvereine aus dem gesamten Bundesland zu einem Aktionstag mit Workshops, Vereinsbörse und Besichtigungen zusammen.
Anders als viele andere Heimatvereine hat der Verein in Oesig Zulauf. „Wir haben derzeit 77 Mitglieder und liegen beim Altersschnitt bei etwa 50 Jahren“, sagt Stöhr. Andernorts liegt der Schnitt oft bei 60, teils sogar bei 70 Jahren. Neben dem Auftritt in sozialen Netzwerken locke vor allem der Kindersport: „Wir begeistern bis zu 100 Kinder mit unserem Sportangebot, darüber kommen wir auch mit vielen Eltern aus der Region in Kontakt.“
Neuer Preis hat einen Vorgänger
Das Agrarministerium vergibt den Preis gemeinsam mit dem Bund Heimat und Umwelt in Deutschland. Der Verband hatte bereits 2023 und 2024 mit dem Bundesinnenministerium einen Preis für nachhaltiges Heimatengagement verliehen, aus dem das neue Format hervorging. Die Auszeichnung ist Teil der Heimat-Agenda „Miteinander ist es Heimat“ des Ministeriums.
Aus 26 Nominierungen wählte eine Jury die sechs Gewinner aus. Die Projekte reichen von Kultur und Sprache über Begegnung bis zu Baukultur, Natur und lebendigen Orten. Gastgeber des Kongresses war in diesem Jahr die Vertretung Bayerns beim Bund. Eine besondere Würdigung erhielt der Bund Bairische Sprache, die Jury hob so die Rolle der Mundart für regionale Identität hervor.
Zweiter Preisträger aus dem Osten
Ebenfalls aus Ostdeutschland kommt der Verein Freunde Fritz Greve aus Malchin in Mecklenburg-Vorpommern. In seinem mobilen „Moortheater“ bringen Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Schauspiel, Gesang und Musik das Moor auf die Bühne. Ganz im Norden, auf Amrum in Schleswig-Holstein, erhielt Öömrang Ferian den Preis: Die Insulaner bewahren Geschichte, Handwerk, ihre Sprache und verbinden das mit Naturschutz.
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Drei weitere Auszeichnungen gingen nach Nordrhein-Westfalen. In Rheurdt kümmert sich ein Verein bundesweit um alte Transformatorentürme und sucht neue Nutzungen, etwa als Begegnungsstätten. Der Heimatverein Riesenbeck lädt Jung und Alt in ein grünes Klassenzimmer auf Streuobstwiesen und in einen Lehrgarten ein. In Darup kaufte eine Bürgergenossenschaft mit dem westfälisch-lippischen Landfrauenverband die Dorfkneipe, um sie als Ort der Begegnung zu erhalten.
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