Heinz Sänger sammelt Prominenten-Handys und geht damit auf Reisen

Der Fahnder

Anja Scheve
4 Min

DORTMUND, 16. April. Heinz Sänger ist Fahnder. Besonders begeistert ist der 58-jährige Rentner aus Dortmund immer noch von seiner spannenden Jagd nach Bill Clinton. Am Ende hatte Sänger den ehemaligen US-Präsidenten tatsächlich gestellt. Doch Sänger ist kein Kriminalist, sondern Museumsdirektor. Er fahndet nach den Mobilfunktelefonen von Prominenten. 60 signierte Promi-Handys sowie mehr als tausend historische Telefone umfasst sein mobiles Handymuseum. Da kommen spannende Geschichten zusammen. "Jedes Handy ist ein Krimi", sagt der Fahnder Sänger. Und Sänger sagt viel. Das sagt nicht nur seine Handyrechnung.Wenn der Telekom-Betriebsinspektor im Vorruhestand von seinen Eroberungen erzählt, tauchen prestigeträchtige Personen auf. Der belgische Sänger Helmut Lotti ("Unheimlich sympathisch") oder der Pop-Star Madonna ("Mit ihr habe ich nie gesprochen, aber für ihr Handy wurden mir schon Unsummen geboten.") oder der Schauspieler Johannes Heesters ("Herr Sänger, Sie wollen mich doch nicht etwa ins Museum stecken, so alt bin ich doch noch gar nicht."). Oder Willy Brandt, dessen Mobiltelefon sich als Diktiergerät entpuppte: "Als ich den Fehler bemängelte, sagte man mir, das Diktiergerät sei von den Mitarbeitern immer als das ,Handy des Kanzlers bezeichnet worden." Und auch Konrad Adenauer, von dem Sänger ein besonderes Prunkstück sein Eigen nennt: Das erste Mobiltelefon, das sich im Kofferraum von Adenauers 300er-Mercedes verbarg und fast 16 Kilogramm wog. Ein Fund auf dem DachbodenMit jenen A-Netz-Geräten begann Ende der 50er-Jahre die Geschichte des Mobilfunks in Deutschland. Diese zu dokumentieren war Sängers ursprüngliche Idee. Die Prominenz kam erst später hinzu. Doch den Wunsch, die Historie des Mobilfunks lückenlos zu dokumentieren, gab er bald auf. "Der Handymarkt ist so schnelllebig, dass ich die Westfalenhalle dauerhaft mieten müsste, um alle Hersteller und Modelle zu zeigen." So konzentrierte er sich auf die Mobilfunk-Dinosaurier. Er suchte auf Flohmärkten und in Zeitungen, bis er 1998 durch Zufall in Essen einen Fachhändler aufspürte. Auf dessen Dachboden schlummerte in alten Kartons die gesamte Geschichte der tragbaren Telefone: Ein Gerät aus dem A-Netz, bei dem der Teilnehmer noch vom "Fräulein vom Amt" vermittelt wurde, über das 1972 eingeführte B- und B2-Netz bis hin zum C-Netz von 1985 und dem heutigen D-Netz, das Sprache erstmals digital überträgt und 80 Gramm wiegt. "Ich kam mir vor wie ein Philatelist, der auf einem Flohmarkt eine Blaue Mauritius entdeckt."Und seit Sänger sein erstes Promi-Handy von Chris Howland erhielt, dringt er nonchalant in die Welt der Großen vor. Bis er dort landet, hat er mit vielen Unwichtigen telefoniert und viel Überzeugungsarbeit geleistet. Doch Sänger liebt diesen Stress und den dazugehörigen Glamour: "Promis sind ganz normale Menschen, doch die Verrückten sind diejenigen um sie herum, die so Verrückte wie mich davon abhalten, zu ihren Vorgesetzten vorzudringen." Mühsam telefoniert sich Sänger durch. Das kann manchmal Jahre dauern. So wie bei Bill Clinton. Als der noch im Weißen Haus saß, schickte ihm Sänger einen Bittbrief. Dieser wurde an die US-Botschaft nach Bonn weitergeleitet. Monate vergingen, bis eines Tages ein Anruf und eine Einladung nach Bonn kamen: Man habe das Handy von Clinton. Es war ein riesiger, schwarzer und unhandlicher Klotz. Samt güldener Geldklammer, einem großen Bild von Bill und einem kleinen von Bill und Hillary. Leider fehlte die Unterschrift. Ein Fall für Fahnder Sänger, der den Fall ein Jahr später löste. Für 517 Euro kaufte er eine Karte für das Augsburger Zukunftsforum, wo Bill Clinton eine Rede hielt. Er verhandelte mit den Bodyguards, die ihn partout nicht zu Clinton vorlassen wollten. Doch Sänger blieb beharrlich und wurde schließlich zur Clinton-Suite vorgelassen. Er bekam die Unterschrift und sogar eine Umarmung. Hand- und Handy-Shake mit Bill Clinton.Der Papst fehlt nochGeschenkte Prominenten-Handys lehnt Sänger übrigens ab: "Das wäre ja so, als wenn Sie einen Bergsteiger mit dem Hubschrauber zum Gipfel fliegen würden." Seine nächste Fahndung führt ihn in den Vatikan. Sänger träumt vom Handy des Papstes. Ob der überhaupt eines hat? "Er muss eins haben, weil die Festnetzleitung zu seinem Chef viel zu lang wäre", sagt Sänger. Ein erster Anlauf scheiterte. Der Brief in Rom landete bei Kardinal Ratzinger. Der war so begeistert von Sängers Mobilfunkmuseum, dass er sein eigenes Handy signierte und nach Dortmund schickte. Doch Sänger reicht das nicht. Mittlerweile hat er in Wuppertal einen Jugendfreund des Papstes ausfindig gemacht. Der soll seinen guten Draht nach Rom nutzen und noch in diesem Jahr eine Privataudienz arrangieren.Rollendes Museum // Heinz Sänger aus Dortmund sammelt alte Mobilfunktelefone von Prominenten.Der Grund für seine Leidenschaft: Der 58-jährige Rentner war früher Betriebsinspektor bei der Telekom. Sein eigenes Handy würde Sänger übrigens nie an Sammler abgeben.Das Handymuseum geht auch auf Tournee. Bis zum 20. April ist seine Mobilfunkschau in der Multimediaabteilung von Saturn, Elsenstraße 111 in Berlin zu sehen.Wer die Ausstellung verpasst, kann des Sängers mobiles Handymuseum auch im Internet besuchen unter: www. handymuseum. de

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