Heizöl ist innerhalb eines Jahres drastisch teurer geworden. Wer seinen Tank heute nachfüllt, zahlt im bundesweiten Durchschnitt rund 89 Prozent mehr als am selben Tag des Vorjahres.
Am Donnerstagmorgen kosten 100 Liter Heizöl bei einer Bestellmenge von 3000 Litern im bundesweiten Durchschnitt rund 172 Euro. Zum selben Stichtag vor einem Jahr noch rund 91 Euro. Eine Bestellung von 3000 Litern kostet damit derzeit rund 5160 Euro – vor einem Jahr waren es etwa 2730 Euro.
Die hohen Preise beschäftigen inzwischen auch Leser der Berliner Zeitung. Ein Leser aus Schwedt in Brandenburg fragte etwa, warum Autofahrer bei den Spritkosten entlastet werden, während es für Haushalte mit Ölheizung bislang keine vergleichbare Zusage gibt.
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Heizöl-Einkauf wurde dieses Jahr hinausgeschoben
Rund jeder fünfte deutsche Haushalt heizt nach den jüngsten umfassenden Zensusdaten mit Öl. Eine komplette Neubefüllung ist für die meisten Haushalte allerdings nicht jedes Jahr nötig. Entscheidend ist deshalb, wie viel Heizöl noch im Tank ist.
„Die Tanks haben das niedrigste September-Füllstandsniveau seit mindestens fünf Jahren erreicht“, sagt HeizOel24-Geschäftsführer Oliver Klapschus der Berliner Zeitung. Der durchschnittliche Füllstand der Verbrauchertanks liege aktuell schätzungsweise 20 bis 25 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Viele Haushalte hätten den Einkauf in diesem Jahr hinausgeschoben, nur Teilmengen gekauft oder auf fallende Preise gewartet.
Wer bereits im Januar oder Februar nachfüllte, zahlte dagegen rund zehn Prozent weniger als im jeweiligen Vorjahreszeitraum. Auch dieses Jahr im Juni tankten Verbraucher nur zu 10 Prozent höheren Preisen als im Vorjahr. Der bisherige Jahresdurchschnittspreis für Heizöl liegt bei 1,25 Euro je Liter. 2025 waren es im Jahresmittel 0,92 Euro – der aktuelle Durchschnitt liegt damit rund 36 Prozent höher.
Der gerade erschienene Heizspiegel zeigt, wie stark sich das auf die Jahresrechnung auswirken kann. Für eine durchschnittliche 70-Quadratmeterwohnung in einem Mehrfamilienhaus prognostiziert die Beratungsgesellschaft co2online für 2026 Heizölkosten von rund 1275 Euro. Dramatischer fällt die Rechnung für ein typisches Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern aus: Dort sollen die Kosten von 2145 auf etwa 2745 Euro steigen.
Heizöl, Gas oder Wärmepumpe: So groß werden die Kostenunterschiede
Im Vergleich mit anderen Heizarten zeigt sich allerdings, dass die Kosten 2026 sehr unterschiedlich ausfallen. Während Heizöl in der Prognose deutlich teurer wird, rechnet co2online damit, dass die durchschnittlichen Gaskosten 2026 sogar leicht sinken könnten. Für die 70-Quadratmeter-Musterwohnung rechnet der Heizspiegel mit 1120 Euro für Gas, 1310 Euro für Fernwärme und 735 Euro bei der Wärmepumpe.
Das hat etwas damit zu tun, dass die Energiepreise Haushalte mit unterschiedlicher Geschwindigkeit erreichen. Beim Heizöl entscheide vor allem der Einkaufszeitpunkt, erklärt Grit Kittelmann von der Verbraucherzentrale Berlin. „Wer noch günstig eingekauftes Öl im Tank hat, spürt den Preisanstieg zunächst nicht – wer nachbestellen muss, zahlt dagegen den aktuellen Preis und meist auf einen Schlag eine größere Summe“, sagt sie.
Auch in Mietshäusern dürfe vorhandenes Heizöl nicht nachträglich mit dem aktuellen Höchstpreis abgerechnet werden. Bei Gas kommen Preissteigerungen ebenfalls nicht sofort an: Entscheidend seien die Beschaffung des Versorgers, der Vertrag und eine mögliche Preisgarantie. Anders als oft angenommen, steige der Gaspreis zudem nicht zwangsläufig mit dem Ölpreis, auch wenn beide Märkte auf internationale Krisen reagieren können.
Bei Fernwärme wiederum greifen häufig Preisformeln, in die Durchschnittswerte vergangener Monate einfließen. Höhere Kosten können dadurch zeitverzögert ankommen, selbst wenn die Energiepreise inzwischen wieder sinken.
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Jetzt teuer einkaufen oder auf Entspannung hoffen?
„Ein noch nicht voller Tank ist zunächst kein Grund zur Panik“, sagt Kittelmann von der Verbraucherzentrale. Entscheidend sei, wie lang der vorhandene Vorrat bei sinkenden Temperaturen reiche. Das sollten Haushalte jetzt ermitteln, indem sie die Tankanzeige ablesen und den Verbrauch vergangener Heizperioden heranziehen.
Diverse Vergleichsportale raten Kunden, zunächst in Teilmengen von 1000 bis 1500 Litern vorzusorgen und auf günstige Preise im Januar oder Februar zu spekulieren. Die Verbraucherzentrale Berlin gibt allerdings zu bedenken, dass kleinere Mengen häufig mehr pro Liter kosten und Teillieferungen weitere Gebühren verursachen können. Wie sich die Preise entwickeln werden, könne aktuell niemand vorhersagen.
Ein wesentlicher Treiber der gestiegenen Heizölpreise ist die Eskalation im Nahen Osten. Die weitgehend blockierte Straße von Hormus, über die ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels läuft, erschwert den Transport und verknappt das Angebot auf den internationalen Märkten.
Auch alternative Routen und Notlösungen können die Ausfälle bislang nur teilweise auffangen. Dass Deutschland selbst nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines Rohöls aus dem Nahen Osten bezieht, schützt die Verbraucher dabei nicht vor dem Preisanstieg, weil Heizöl auf einem internationalen Markt gehandelt wird. Steigende Weltmarktpreise schlagen auf die Preise für den Tank durch.
Heizöl-Hilfe für Haushalte? Bundesregierung gibt vorerst keine Zusage
Doch auch wenn sich die geopolitische Lage beruhigt, dürfte Heizöl kaum ein besonders berechenbarer Energieträger werden. Zum Weltmarktpreis kommen CO₂-Kosten und weitere Abgaben auf fossile Brennstoffe hinzu.
Während Autofahrer ab 1. Oktober um rund 17 Cent je Liter Benzin oder Diesel entlastet werden sollen, gibt es für Haushalte mit Ölheizung bislang keine vergleichbare Zusage. In der Regierungspressekonferenz vom 23. September räumte das Wirtschaftsministerium auf Nachfrage ein, von entsprechenden finanziellen Hilfen für Heizölverbraucher nichts zu wissen.
Aus dem Finanzministerium heißt es, der Koalitionsausschuss habe zur Senkung der Energiepreise den Fokus zunächst auf Industrie und Gewerbe gerichtet, um Arbeitsplätze zu sichern. Weitere Entlastungen könnten erfolgen, „wenn sie finanzierbar sind“, schreibt Sprecher Lars Harmsen. „Die Bundesregierung und das BMF beobachten die weiteren Entwicklungen aufmerksam.“ Im Fokus stehen dabei Möglichkeiten, zielgenau diejenigen zu entlasten, die besonders schwer von den hohen Preisen betroffen sind.
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