MARIN MAJICA wünscht der Asche von Rainer Hildebrandt endlich FriedenRainer Hildebrandt war für die Bürokratie stets ein unbequemer Mann. Und der Gründer des Mauermuseums am Checkpoint Charlie ist es noch. Drei Jahre nach seinem Tod beschäftigt er weiter Ämter und bald wohl auch wieder Gerichte. Die Urne mit Rainer Hildebrandts Asche steht seit 2004 im Krematorium in Ruhleben und wartet auf ihre Bestattung. Dieser Zustand sei "unwürdig", sagen manche. Er hat vor allem das Zeug zum Lehrstück über die Bürokratie.Hildebrandt hat in seinem Testament verfügt, dass er neben seinem Freund Albrecht Haushofer bestattet werden will, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Das Problem ist, dass Haushofer auf einem Friedhof in Moabit liegt, auf dem seit 1952 nicht mehr bestattet wird. Hildebrandts Witwe Alexandra akzeptiert aber keine andere Ruhestätte. Sie erwägt jetzt eine Klage auf eine Ausnahmegenehmigung. Nun ist Alexandra Hildebrandt ein Mensch, bei dem das Wort "unbequem" fast verharmlosend ist. So wie Hildebrandt das Mauermuseum und die Diskussion über DDR und Mauertote führt, wundert es, dass sie die Urne ihres Mannes nicht längst zur Helden-Verehrung im Museum ausgestellt hat. Doch dieses Mal will Hildebrandt wohl mit anderen Mitteln als Renitenz und Populismus gegen die Behörden kämpfen.Was diese anführen an Gründen gegen Hildebrandts Wunsch-Grabstätte, klingt nach dem immergleichen Argument der Bürokratie: "Wo kommen wir denn hin, wenn das jeder machen würde." Ämter müssen eine Abneigung gegen Ausnahmen haben. Aber sie müssen sie auch zulassen, wenn ein Gericht entsprechend entscheidet. Alexandra Hildebrandt ist deshalb gut beraten, dieses Mal auf eine bürokratische Art unbequem zu sein. Damit Rainer Hildebrandt auf eine würdige Art seinen Frieden findet. Und Berlin in dieser Frage auch.Seite 19
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