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Strandkorb-Event in Augsburg

Helge Schneider bricht Auftritt ab: „Ich will kein Scheiß-Konzert geben“

Bei einem Strandkorb-Open-Air in Augsburg spielte Helge Schneider nur 40 Minuten, dann verließ er die Bühne. Der Veranstalter schaltet nun einen Anwalt ein.

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Helge Schneider: „Ich will die Leute begeistern.“

Helge Schneider: „Ich will die Leute begeistern.“

© dpa/Caroline Seidel

Bei manchen seiner Auftritte – derzeit ist Schneider im Rahmen seiner Sommertournee „Let’s lach“ in ganz Deutschland unterwegs – mache ihm die große Entfernung zum Publikum zu schaffen. So sei er neulich in einem Stadion aufgetreten, wo das Publikum mit Schutzmaske etwa 25 Meter entfernt gesessen habe. „Trotz der Entfernung konnte ich Gesichter erkennen, also die Augen. Aber es ist wirklich nicht auszumachen, ob jemand gute oder schlechte Laune hat – es ist einfach nichts zu sehen. Es ist eigentlich, als wäre das Publikum existent, aber hinter einem Vorhang.“ Oft könne das Publikum dann auch nicht so mitgehen, sagte Schneider der dpa.

Strandkörbe mit Abstand, umherlaufendes Servierpersonal

Am Freitagabend stand für den Musiker ein Auftritt beim Strandkorb-Open-Air in Augsburg auf dem Programm. Auch dort wollte es mit der Stimmung nicht so recht klappen. Die Zuschauer hatten in mit Sicherheitsabstand zueinander aufgestellten Strandkörben Platz genommen, Getränke wurden am Platz serviert. In einem auf YouTube hochgeladenen Ausschnitt sieht man Schneider auf der Bühne, er kündigt an, gleich aufzuhören: „Jetzt hab ich langsam keinen Bock mehr.“ Er wolle aber das Programm noch durchziehen. Kurz scheint er innezuhalten, dann tritt Schneider erneut ans Mikro: „Das geht mir ziemlich auf’n Sack, ich habe keine Lust mehr.“ Er breche das Konzert an dieser Stelle ab, es mache wirklich keinen Spaß: Man kriege keinerlei Kontakt zum Publikum, andauernd liefen Leute herum. Bevor er die Bühne verlässt, sagt Schneider noch: „Das System ist fadenscheinig und dumm.“ Aus dem Publikum sind Klatschen und vereinzelte Pfiffe zu hören.

Es war nicht sein erster Auftritt dieser Art: Vor einer Woche trat Helge Schneider beim Strandkorb-Open-Air in Wiesbaden auf.

Es war nicht sein erster Auftritt dieser Art: Vor einer Woche trat Helge Schneider beim Strandkorb-Open-Air in Wiesbaden auf.

Wie die Augsburger Allgemeine schreibt, gab es unter den Konzertgästen Verständnis für den Konzertabbruch, etliche Besucher zeigten sich aber auch enttäuscht. Manche waren extra aus Thüringen angereist: „Ich finde das enorm unprofessionell“, schimpfte ein Konzertgast. Dass der Auftritt nach rund 40 Minuten zu Ende war, fand eine Besucherin aus Augsburg gar nicht witzig: „Die Besucher gehen in diesen Zeiten einen Kompromiss ein und den muss der Künstler ebenfalls eingehen. Man zahlt hier für einen Strandkorb 100 Euro. Das ist eine Menge Geld. Ich finde dieses Zeichen von ihm uncool und unprofessionell.“

Auf seiner Facebook-Seite äußerte sich Schneider am Sonnabend selbst zu den Gründen für den Abbruch. Er habe sich „aufgrund massiver Störungen seitens der Gastronomie“ dazu entschieden, die ihre Mitarbeiter immer an der Bühne vorbeischickten, um die Besucher mit Getränken zu versorgen, die diese vorher übers Internet bestellt hatten. „Das war natürlich eine massive Störung, das hörte auch nicht auf.“ Er sei abgelenkt gewesen und habe die Konzentration so nicht halten können: „Deshalb habe ich das Konzert abgebrochen. Ich will kein Scheiß-Konzert geben.“ Er spule sein Programm nicht einfach nur ab, erfinde während des Auftritts Sachen und wolle die Leute begeistern. Das sei ihm in Augsburg nicht gelungen. Schneider bedankte sich bei allen, die für seine Entscheidung Verständnis haben.

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Auf Twitter entspann sich nach dem Konzertabbruch eine heftige Debatte. Der Journalist Boris Reitschuster referenzierte auf Schneiders Satz, das System sei fadenscheinig und dumm, und fragte: „Noch ein Corona-Ketzer?“ Daraufhin schrieben andere Nutzer, das habe Helge Schneider nicht verdient – von Reitschuster vereinnahmt zu werden, „auch noch unter Verdrehung seiner Beweggründe“. Der Kabarettist Florian Schröder sah in der Diskussion ein Beispiel für die derzeit herrschende Debattenkultur.

Der Comedian Torsten Sträter plädierte dafür, die Sache sportlich zu sehen: „Weißte: n halbes Helge Schneider-Konzert ist besser als nix!“ Ob Schneider seinen Auftritt in Augsburg nachholen wird, blieb zunächst unklar. „Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen zu besseren Konditionen“, sagte der 65-Jährige lediglich.

Seine Konzertreihe geht jedenfalls weiter: Schon ab heute Abend sind Auftritte in München geplant, am 19. August steht erneut ein Strandkorb-Open-Air an, dann in Mönchengladbach. Nach Berlin will Helge Schneider am 21. August kommen: Sein Konzert in der Waldbühne (zusammen mit anderen Kollegen) ist bereits ausverkauft.

Am Sonntag meldete sich der Konzertveranstalter aus Augsburg zu Wort. Demnach könnte der Abbruch des Auftritts für Helge Schneider in einem Rechtsstreit enden. Der Veranstalter habe einen Anwalt eingeschaltet, sagte die Sprecherin des Unternehmens für die Festivalreihe der Deutschen Presse-Agentur. Nun werde etwa geprüft, ob Schneider Schadenersatz leisten müsse. „Wenn Herr Schneider sagt, er bekommt kein Feedback vom Publikum, dann muss er sich fragen, ob es vielleicht an ihm liegt“, sagte Gibson.

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