HELLERSDORF Seit 1992 existiert die Alternative Bibliothek Hellersdorf. Rund 6 000 Bücher stehen den Lesern im "Nachbarschaftshaus" an der Kastanienallee kostenlos zur Verfügung.Der Raum ist bis zur Decke mit Büchern vollgestopft. In den Regalen des kleinen Lesezimmers stehen Memoiren neben Wende-Literatur, gesellschaftspolitischen Abhandlungen oder Büchern über Ökologie und Umweltpolitik. Die Autorennamen reichen von Willy Brandt bis Nikolai Ostrowski. Aber auch belletristische Neuerscheinungen sind im Angebot. Heinz Peter vom Förderverein der Alternativen Bibliothek sieht die Einrichtung als eine Ergänzung zur normalen Stadtbibliothek. Rund 6 000 Bücher und einige Videos umfaßt die Sammlung inzwischen. Als "sozialwissenschaftliche Bibliothek für jedermann" ins Leben gerufen, wollen die Vereinsmitglieder "anspruchsvolle Bücher anbieten, die in anderen Bibliotheksbeständen unterrepräsentiert sind", erläutert Peter das Konzept. So bildet DDR-Literatur einen Schwerpunkt in der Bibliothek. Seltene Editionen aus DDR-Verlagen und Bücher aus privaten Nachlässen sind hier zu finden. Ziel ist es laut Peter, "Quellen zur Kulturgeschichte der DDR vor der Vernichtung zu bewahren". Vor allem ältere Menschen suchten hier nach Spuren der Geschichte, ist die Erfahrung des Vereinsvorsitzenden.Auf das Interesse an der Vergangenheit, aber auch für aktuelle Zeitgeschichte setzt der Verein bei seinen öffentlichen Veranstaltungen. Im "Literaturklub" und der "Montagsrunde" soll der Gedankenaustausch zwischen Schriftstellern und Lesern befördert werden. So stellte sich kürzlich der Publizist Günter Gaus den Fragen zahlreicher Interessenten.In Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung und kommunalen Bildungs- und Kultureinrichtungen wie der Volkshochschule haben die alternativen Buchverleiher seit 1992 insgesamt 120 Veranstaltungen und zehn Ausstellungen organisiert. Über 4 500 Zuhörer und Besucher sprechen für das Interesse an der alternativen Kulturarbeit. Für Senioren und Behinderte haben die Buchspezialisten eigens einen Vorleseservice eingerichtet.Eine weitere Besonderheit der Bibliothek ist die kostenlose Ausleihe. Finanziert wird die Einrichtung ausschließlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Auch die Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig. Katalogisiert werden die Buchbestände auf Peters Heimcomputer. Ausgeliehen werden können aber auch Bücher aus dem Privatbesitz der Bibliotheksbetreiber. Sie sind ebenso im Computer erfaßt. "Warum soll ich ein Buch nur für mich alleine anschaffen", begründet Peters diese unorthodoxe Vorgehensweise. Der Verein hofft jetzt auf noch größeren Zuspruch, und auf noch mehr Bücherspenden. Auch wenn der Platz in der Bibliothek immer enger wird. Christoph SchlegelDie Alternative Bibliothek im "Nachbarschaftshaus", Kastanienallee 27, ist dienstags und donnerstags jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. +++
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