Der historische Hellingkran im Rostocker Stadtteil Kröpeliner-Tor-Vorstadt ist akut gefährdet. An einer tragenden Strebe des Auslegers wurden Schäden festgestellt. Nach Angaben der Stadt Rostock besteht die Gefahr, dass sich Teile der Konstruktion lösen und herabstürzen.
Feuerwehr, Polizei, technische Sachverständige und weitere Hilfskräfte sind seit Freitagnachmittag, 23. Oktober, im Einsatz. Der Gefahrenbereich rund um den Hellingkran auf dem Gelände der ehemaligen Neptunwerft wurde weiträumig abgesperrt.
Ausgangspunkt war der Hinweis eines aufmerksamen Passanten. Er hatte mögliche Schäden an der Krankonstruktion bemerkt und gemeldet. Der Trägerverein des historischen Krans ließ daraufhin umgehend eine technische Überprüfung vornehmen.
Die genaue Ursache des Schadens steht noch nicht fest. Vereinschef und Rostocks früherer Oberbürgermeister Roland Methling sprach von einer möglichen Ermüdung des Materials. Eine abschließende Bestätigung durch Gutachter liegt dafür bislang jedoch nicht vor.
44 Wohnungen und 15 Gewerbeeinheiten geräumt
Wegen der möglichen Absturzgefahr wurden die Bewohner von 44 Wohnungen sowie die Nutzer von 15 Gewerbeeinheiten in der Hellingstraße vorsorglich aufgefordert, ihre Gebäude zu verlassen. Rund 100 Menschen sind von der Evakuierung betroffen.
Viele Evakuierte kamen bei Angehörigen, Freunden oder Bekannten unter. Die Stadt richtete zusätzlich eine Notunterkunft in der Sporthalle der Borwinschule ein. Zunächst konnten sich Betroffene auch im nahe gelegenen Neptun-Einkaufszentrum aufhalten.
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Für das Einkaufszentrum selbst besteht nach Angaben der Stadt keine Gefahr. Berichte über Verletzte gibt es bislang nicht. Auch der Vermieter der geräumten Gebäude hat den Betroffenen Unterstützung zugesichert.
Untersuchung nur mit Drohnen möglich
Eine direkte Begutachtung der beschädigten Auslegerkonstruktion ist derzeit zu gefährlich. Einsatzkräfte und Sachverständige können die betreffende Stelle deshalb nur mithilfe von Drohnen untersuchen.
Parallel werden vorhandene Bau- und Konstruktionsunterlagen ausgewertet. Fachleute prüfen verschiedene Möglichkeiten, um beschädigte Bauteile zu sichern oder zu bergen. Noch ist nicht entschieden, ob der Ausleger abgestützt, teilweise demontiert oder vollständig abgenommen werden muss.
Unklar ist zudem, wie stark die tragende Strebe tatsächlich beschädigt ist. Während in einzelnen Berichten von einem Riss oder einer gebrochenen Stütze die Rede ist, spricht die Stadt offiziell von einer „Beschädigung an einer tragenden Strebe“.
Sturm verzögert Sicherung des Rostocker Krans
Für die Arbeiten werden nach gegenwärtiger Einschätzung Spezial-Schwerlastkräne benötigt. Ihr Einsatz hängt jedoch von der Windstärke ab. Wegen des stürmischen Wetters und der vorhergesagten Böen können die notwendigen Arbeiten am Wochenende voraussichtlich nicht beginnen.
Nach bisherigen Planungen könnte frühestens nach dem Wochenende versucht werden, den beschädigten Ausleger zu sichern oder Teile davon kontrolliert abzunehmen. Ob ein Einsatz bereits am Montag möglich ist, hängt von der Wetterlage, den Ergebnissen der statischen Prüfung und der Verfügbarkeit geeigneter Schwerlastkräne ab.
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Der Verwaltungsstab der Hanse- und Universitätsstadt Rostock will am Sonntag, 25. Oktober, auf Grundlage der technischen Bewertungen und der aktualisierten Wetterprognosen über das weitere Vorgehen entscheiden. Bis dahin bleibt offen, wann die evakuierten Bewohner in ihre Wohnungen zurückkehren können.
Hellingkran ist Denkmal und Veranstaltungsort
Der markante blau-gelbe Hellingkran vom Typ Neptun PWK 40 wurde 1976 errichtet. Er erinnert an den Schiffbau auf dem Gelände der früheren Neptunwerft und gehört zu den technischen Denkmälern der Stadt Rostock.
Seit der Einstellung des Schiffbaus auf dem Gelände im Jahr 1991 ist der Kran nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck in Betrieb. Seit 2016 nutzt ihn der Förderverein Tradition Ostseeschiffahrt. Nach einem Umbau dient das Industriedenkmal unter anderem als Ort für Hochzeiten, Geburtstage und Firmenveranstaltungen. Auch Übernachtungen werden in dem außergewöhnlichen Bauwerk angeboten.
Wie schwer der Schaden ist und ob der historische Hellingkran vollständig erhalten werden kann, ist noch nicht geklärt. Allein die Sicherungs- und Rettungsmaßnahmen könnten einen sechsstelligen Betrag kosten.
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