Der Hellingkran Rostock sorgt für einen seltenen Ausnahmezustand am Werftdreieck, das wegen seiner Form so heißt und früher zur Neptunwerft gehörte. Ein Riss in einer Strebe des historischen Krans gefährdet ein darunterliegendes Wohnhaus so stark, dass 44 Wohnungen in der Hellingstraße geräumt werden mussten. Für die rund 100 betroffenen Bewohner und Gewerbetreibenden heißt das: Sie bleiben vorerst ausgesperrt.
Wer in der Nähe des Geländes wohnt oder arbeitet, muss sich auf Absperrungen einstellen. Der wichtigste Punkt für alle Betroffenen: Nach aktuellem Stand ist eine Rückkehr in die Wohnungen frühestens am Montag, 2. November, möglich. Dieser Überblick klärt, was am Kran passiert, warum die Sicherung so aufwendig ist und wie es nun weitergeht.
Was ist mit dem Hellingkran Rostock passiert?
Auslöser der Lage war ein aufmerksamer Passant. Ein Fußgänger bemerkte am Morgen des 23. Oktobers einen Riss an einer Strebe im oberen Bereich des Auslegers und informierte den Betreiber-Verein.
Der Trägerverein, der den blau-gelben Kran als technisches Denkmal betreibt, wertete anschließend Fotos aus. Demnach hatte sich der Schaden bereits seit etwa vier Wochen angedeutet.
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Vereinschef Roland Methling, von 2005 bis 2019 Oberbürgermeister Rostocks, räumte den Fehler offen ein. „Den haben wir übersehen“, sagte er dem NDR. Zur Lage insgesamt erklärte er: „Wir haben den Kran statisch intakt übernommen. Es gab regelmäßige Kontrollen. Aber nun hat sich spontan eine Ermüdung des Materials gezeigt.“
Wie gefährlich ist der Ausleger?
Die Gefahr geht von dem beschädigten Ausleger aus, der rund 68 Tonnen wiegt. Es besteht weiterhin das Risiko, dass sich Teile der Konstruktion lösen und herabstürzen.
Um Veränderungen früh zu erkennen, überwachen Einsatzkräfte den Kran engmaschig. Dreimal täglich steigen Drohnen auf, um die Schäden am Ausleger zu beobachten und zu dokumentieren.
Erschwert wird die Lage durch die Bauweise selbst: Der Kran ist fixiert, und der Ausleger lässt sich nicht mehr schwenken. Genau das macht die anstehenden Sicherungsarbeiten besonders kompliziert.
Wie läuft die Sicherung ab?
Der Förderverein Tradition Ostseeschifffahrt e. V. als Eigentümer hat die Hanse- und Universitätsstadt Rostock wegen der Komplexität um Unterstützung im Rahmen einer Ersatzvornahme gebeten. Die Stadt koordiniert das Vorgehen mit Einsatzkräften und Sachverständigen.
Der große Ausleger des auch für Hochzeiten genutzten Hellingkrans an der Warnow unweit des Rostocker Stadthafens droht herabzufallen.
© Christopher Hirsch/dpa
Der Aufbau der Spezialkräne soll nach städtischer Planung am Montag beginnen. Dafür wird am 26. Oktober voraussichtlich der erste von wahrscheinlich drei Spezialkränen per Lkw angeliefert.
Die eigentlichen Arbeiten am Ausleger müssen jedoch warten. Laut Wettervorhersage ist es in rund 50 Metern Höhe zu windig – die Sicherung kann voraussichtlich erst ab Mittwoch starten. Dann sollen Experten prüfen, ob der Ausleger reparierbar ist.
Was bedeutet das für die Anwohner?
Die vorsorglichen Absperrungen und Evakuierungen bleiben bestehen, solange eine Gefährdung besteht. Bereits am Freitag waren 44 Wohnungen sowie die Räume einer Tagespflege geräumt worden.
Die betroffenen Bewohner sind nach Angaben der Stadt Rostock anderweitig untergekommen. Eine als Notunterkunft angebotene Schulsporthalle wurde nicht genutzt und inzwischen wieder geschlossen.
Eine Rückkehr ist frühestens am 2. November möglich – und nur, wenn die Sicherungsarbeiten abgeschlossen sind und keine Gefahr mehr besteht. Die Stadt bittet Anlieger und Gewerbetreibende um Verständnis und betont: Die Sicherheit habe oberste Priorität.
Hellingkran wurde 1976 gebaut
Nach oben kann man auf den Hellingkran normalerweise mit einem Aufzug gelangen oder über die 136 Stufen einer außen liegenden Wendeltreppe. Der ehemalige Maschinenraum im Kran bietet Platz für Veranstaltungen mit etwa 30 bis 40 Gästen. Dort wurden eine Hochzeitssuite inklusive Bett, ein Bad, eine Toilette und eine kleine Küche eingebaut.
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Der Schiffbaukran wurde 1976 beim VEB Verlade- und Transportanlagen Leipzig gebaut und an der Warnow aufgestellt. Mit dem Kran auf dem Gelände der Neptunwerft wurden bis 1991 Schiffsbauteile gehoben. Der Kran hat eine Bauhöhe von 65 Metern. Bis 2024 wurde er auf dem Gelände der ehemaligen Werft für rund zwei Millionen Euro umgebaut.
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