Kulturstreit

Hello Kitty im Visier Chinas: Folterszenen lösen Eklat aus – Hersteller zieht die Reißleine

Hello Kitty und ihre Freunde trugen für eine Produktreihe die Kostüme japanischer Geheimagenten. Wegen brutaler Folterszenen gerät nun ihr Hersteller unter Druck.

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Ein Hello-Kitty-Pop-up-Store in Shanghai: Nach heftiger Kritik aus China hat Hersteller Sanrio die Zusammenarbeit mit der japanischen Spionageserie Vivant beendet.

Ein Hello-Kitty-Pop-up-Store in Shanghai: Nach heftiger Kritik aus China hat Hersteller Sanrio die Zusammenarbeit mit der japanischen Spionageserie Vivant beendet.

© imago

Hello Kitty steht für Freundschaft, Harmonie und Niedlichkeit. Doch ausgerechnet die weltberühmte japanische Kultfigur ist nun in einen politischen Streit zwischen China und Japan geraten. Ihr Hersteller Sanrio hat sich nach heftiger Kritik aus China entschuldigt und eine Zusammenarbeit mit der japanischen Spionageserie Vivant beendet.

Der Hintergrund: Für die Kooperation waren Hello Kitty und andere beliebte Sanrio-Figuren als Plüschtiere in den Kostümen der Serienhelden auf den Markt gekommen.

Doch die Serie sorgt in China für Empörung. Darin werden japanische Geheimagenten von Mitgliedern einer chinesischen Geheimorganisation brutal gefoltert. Chinesische Staatsmedien werfen den Machern deshalb vor, China gezielt schlecht darzustellen und die Geschichte zu verfälschen. Die Kritik richtete sich schließlich auch gegen den Hello-Kitty-Hersteller.

Am Mittwochabend (28. Oktober) zog Sanrio die Konsequenzen. In einer Erklärung auf der chinesischen Plattform Weibo entschuldigte sich die Tochtergesellschaft des Konzerns für die entstandene Besorgnis. Die Zusammenarbeit mit Vivant enthalte Elemente, die nicht mit den Grundwerten des Unternehmens vereinbar seien. Deshalb würden sämtliche weiteren Projekte und Werbeaktionen eingestellt.

Warum eine japanische Spionageserie China empört

Vivant gehört zu den erfolgreichen japanischen Fernsehproduktionen der vergangenen Jahre. Die erste Staffel erschien 2023, seit Juli läuft die zweite Staffel beim Sender TBS. Die Serie handelt von einem japanischen Angestellten, der in ein internationales Netz aus Spionage, Terrorismus und Verbrechen gerät.

In der neuen Staffel spielen auch chinesische Geheimagenten eine Rolle. Sie nehmen japanische Spione gefangen und foltern sie. Einem Gefangenen werden dabei Finger abgeschnitten, außerdem wird er mit einem Messer in den Bauch gestochen.

Diese Szenen lösten in China heftige Proteste aus. Der staatliche Fernsehsender CCTV warf den Produzenten vor, das Land absichtlich herabzusetzen.

Hinter der Kritik steht auch die Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Japanische Soldaten begingen während der Besetzung großer Teile Chinas schwere Kriegsverbrechen. Chinesische Staatsmedien werfen Vivant vor, die damaligen Täter- und Opferrollen umzukehren, indem nun chinesische Agenten als brutale Folterer dargestellt würden.

Die Serie sei antichinesische Propaganda, lautet der Vorwurf. Belege dafür, dass die Produzenten China bewusst herabsetzen wollten, wurden nicht vorgelegt.

„Hello Kitty soll nicht mit Japans Rechten tanzen“

Für den Hello-Kitty-Hersteller wurde der Streit zum Problem, weil er bereits im Juli gemeinsam mit dem Fernsehsender eine Produktreihe auf den Markt gebracht hatte.

Hello Kitty, My Melody und Cinnamoroll erschienen als Plüschfiguren in den Kostümen japanischer Seriencharaktere. Solche Kooperationen sind in Japan beliebt und sollen Fans der jeweiligen Marken ansprechen.

Die Plüschtiere haben mit den Gewaltszenen selbst nichts zu tun. In China entstand dennoch der Vorwurf, Sanrio unterstütze durch den Verkauf der Produkte eine Fernsehserie mit antichinesischen Inhalten.

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Besonders deutlich wurde die staatsnahe Zeitung Global Times. Sie veröffentlichte am Mittwoch einen Kommentar unter der Überschrift: „Hello Kitty soll nicht mit Japans Rechten tanzen“.

Sanrio müsse erkennen, dass die Zusammenarbeit nicht nur kurzfristige Umsätze gefährde, schrieb die Zeitung. Auch das über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauen chinesischer Kunden könne darunter leiden.

Dabei verwies die Global Times auf die Unternehmensphilosophie von Sanrio. Die Figuren sollen Menschen verbinden und ein friedliches Miteinander fördern. Eine Zusammenarbeit mit einer Serie, die China als Bedrohung darstelle, widerspreche diesen Werten.

Noch am selben Abend gab Sanrio das Ende der Kooperation bekannt. Auch eine bereits geplante zweite Produktreihe wird nicht mehr wie vorgesehen erscheinen.

Fernsehsender TBS weist Vorwürfe aus China zurück

Der japanische Fernsehsender TBS verteidigt dagegen seine Serie. Senderpräsident Masamine Ryuho erklärte am Mittwoch, Vivant sei vollständig erfunden. Die Produzenten hätten nicht die Absicht, ein bestimmtes Land herabzusetzen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wies der Sender damit die Vorwürfe einer gezielt antichinesischen Darstellung zurück.

Sanrio selbst erklärte nicht, welche Szenen oder Inhalte es konkret für unvereinbar mit seinen Werten hält. Das Unternehmen kündigte aber an, künftige Partnerschaften genauer zu überprüfen.

Warum China für Hello Kitty so wichtig ist

Der Rückzug des japanischen Konzerns hat auch einen wirtschaftlichen Hintergrund. China gehört zu den wichtigen Auslandsmärkten von Sanrio.

Nach Angaben von Reuters erzielte das Unternehmen dort im ersten Geschäftsquartal einen Umsatz von 9,8 Milliarden Yen. Das entspricht einem Anstieg von fast 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Konflikt trifft Sanrio zudem zu einem Zeitpunkt, an dem die Beziehungen zwischen China und Japan ohnehin erheblich belastet sind.

Die japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hatte im November 2025 erklärt, ein chinesischer Angriff auf Taiwan könne unter bestimmten Umständen eine militärische Reaktion Japans auslösen.

Peking reagierte mit scharfer Kritik und wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen. Die chinesische Regierung riet unter anderem von Reisen nach Japan ab und schränkte Exporte seltener Erden ein.

Nun hat dieser Konflikt auch eine der bekanntesten japanischen Unterhaltungsfiguren erreicht. Während die Spionageserie Vivant weiter ausgestrahlt wird, hat Hello Kitty ihre Rolle als verkleidete Geheimagentin wieder verloren.

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