Hennigsdorfer Betriebsrat warnt vor Aus für die gesamte Produktion

1 500 Jobs in Bombardier-Werk gefährdet

Peter Kirnich
2 Min

BERLIN, 5. August. Die Lage im durch ausbleibende Bahnaufträge gefährdeten Bombardierwerk Hennigsdorf wird immer bedrohlicher. "Wenn bis zum Jahresende keine der von der Deutschen Bahn avisierten Aufträge eingehen, sind in unserem Werk bis zu 1 500 Arbeitsplätze gefährdet", sagte der Betriebsratschef des Hennigsdorfer Werkes, Michael Wobst, am Montag der "Berliner Zeitung". Praktisch stehe dann auch die gesamte Produktion in Hennigsdorf vor dem Aus. Insgesamt sind in dem Werk nördlich von Berlin, in dem unter anderem Nahverkehrszüge, Neigezüge und S-Bahnen für Berlin gebaut werden, 2 400 Mitarbeiter beschäftigt. Bahn bestellt nichtWobst machte vor allem die Deutsche Bahn mit ihrem zögerlichen Bestellverhalten für die Situation im Werk verantwortlich. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte Mitte Juli verkündet, dass er die geplanten Milliarden-Investitionen in neue Nahverkehrsfahrzeuge verschieben werde. Der Hintergrund: Die Vergabekammer des Regierungspräsidiums des Landes Sachsen-Anhalt hatte zuvor einen langfristigen Verkehrsvertrag zwischen dem Land und der Bahn untersagt und entschieden, dass Aufträge für den Nahverkehr komplett ausgeschrieben werden müssen. Die Bahn will jedoch nur an ihren Investitionsplänen beim Abschluss langfristiger Verkehrsverträge mit den Ländern festhalten."Völlig überrascht" habe Bombardier auch die Ankündigung der Deutschen Bahn, sie werde eine Kaufoption von 90 weiteren Neigezügen des Typs VT 612 nicht einlösen. Die Bahn will stattdessen nur die bestellten 200 Neigezüge abnehmen. "Jüngste Untersuchungen haben ergeben, dass wir für mehr Züge keinen Bedarf mehr haben", begründete eine Bahnsprecherin. Bombardier geht damit ein Auftrag von rund 350 Millionen Euro verloren. "Der Bau des VT 612 macht bei uns zurzeit rund ein Drittel des Fertigungsvolumens aus", sagte Wobst. Bombardier hatte mit weiteren Bestellungen gerechnet, weil bei der Bahn die Streckenmodernisierung Vorrang vor Neubau hat. Mit Neigezügen sind auf ausgebauten Strecken Fahrzeiteinsparungen von bis zu 30 Prozent möglich. "Mit jeder Woche, in der nichts passiert, wird die Lage schwieriger", sagte Wobst. Ende letzter Woche hatte sich der Betriebsrat mit einem Hilferuf an Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gewandt. "Bisher haben wir noch keine Antwort", so Wobst. Schröder hatte im Frühjahr verhindert, dass der Bombardier-Standort Ammendorf (Sachsen-Anhalt) mit 900 Mitarbeitern geschlossen wird. Das Bombardier-Management im kanadischen Montreal hatte unter anderem auch deshalb von den ursprünglichen Kürzungsplänen Abstand genommen, weil die Deutsche Bahn zur gleichen Zeit mehrere Großaufträge für Nahverkehrszüge angekündigt hatte.

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