BERLIN, 16. Mai. Schön klingt es nicht, dieses Wort: "Pah!" Meist drückt es Verachtung aus, doch als Marco Baldi es am Freitag in sein Handy spricht, da klingt er eher verzweifelt. Pah, das steht in diesem Fall für die Frage: Was tun? Baldi, der Vizepräsident von Alba Berlin, weiß es selbst nicht genau. Deshalb zählt er erst einmal auf, was er und sein Verein alles nicht tun wollen. "Wir werden keinen neuen Spieler verpflichten, weil wir das gar nicht mehr können. Der Transfermarkt ist seit dem 1. März geschlossen." Und: "Wir werden nicht jammern." Na gut, das ist ein bisschen geflunkert, denn zwei Sätze später erwischt man Baldi mit den Worten: "Was wir schon wegstecken mussten in diesem Jahr, das ist Wahnsinn - und jetzt geht das schon wieder weiter."Unglücklicher ZusammenprallAber man muss den Mann verstehen. Er hatte so einen schönen Donnerstag hinter sich. Sein Team erteilte den Opel Skyliners aus Frankfurt eine Lehrstunde (91:73) und zog ins Halbfinale um die deutsche Basketball-Meisterschaft gegen TXU Energie Braunschweig ein. Doch dann kamen, am deutlich unschöneren Freitag, die Nachrichten der Mediziner. Erstens: Für Kapitän Henrik Rödl ist die Saison beendet. Der Kapitän der Berliner erlitt bei seinem Zusammenprall mit Frankfurts Mario Kasun einen Bruch des Schienbeinkopfes im linken Knie. Er wurde noch am Freitag operiert und muss voraussichtlich drei bis vier Monate pausieren. Zweitens: Auch Mithat Demirel kann zumindest am Sonntag, im ersten Halbfinale, wahrscheinlich nicht spielen. Den Spielmacher der Berliner plagt ein Bluterguss unter der Fußsohlensehne des linken Fußes.Vermutlich hatte Emir Mutapcic, der Trainer der Berliner, das Unheil geahnt, als er nach dem Spiel sagte: "Vielleicht haben wir für den Sieg einen hohen Preis gezahlt." Mutapcic hat nun ein Problem: Ihm gehen langsam die Spieler aus. Dass Jörg Lütcke mit seinem gerissenen Kreuzband und Marko Pesic mit seiner gebrochenen Hand die laufende Spielzeit nur noch als stille Teilhaber in Zivil auf der Bank erleben würden, stand ja schon länger fest. Dass sich nun aber auch noch Rödl und Demirel in die Riege der Lädierten reihen, schränkt den Handlungsspielraum des Trainers gewaltig ein. Nachteilhaft ist besonders, dass alle Verletzten auf ähnlichen Positionen spielen. Baldi hofft nun, dass "die Trainer sich was Taktisches einfallen lassen, um das zu ." Kompensieren? "Nein, nein", sagt Baldi: "Von Kompensieren kann da keine Rede mehr sein. Improvisieren müssen wir."Vielleicht sollten die Berliner sich mit den Braunschweigern austauschen, wie das geht: sich selbst helfen in der personellen Not. Denn auch der Halbfinalgegner hat eine sorgenreiche Saison hinter sich. Am schlimmsten erwischte es Desmond Mallet. Der beste Mann der Niedersachsen fiel mit einem Kreuzbandriss monatelang aus, erst im Viertelfinale kehrte er ins Team zurück. Dass mit seiner Unterstützung erstmals eine Braunschweiger Mannschaft unter den besten vier in Deutschland steht, versetzte sogar Trainer Ken Scalabroni in Verzückung. "Das ist ein Riesenerlebnis für uns alle", jubelte er.Bleibt die Frage, was der dezimierte Meister aus Berlin dem euphorisierten Außenseiter entgegensetzen kann. Sicherlich einen neuen, gefestigten Mannschaftskern. Eine Gruppe von Spielern, die zuletzt konstant überzeugten und wechselweise Glanzpunkte setzten. Neben dem nun verletzten Demirel und Jovo Stanojevic hat sich Neueinkauf Vladimir Petrovic in kürzester Zeit unverzichtbar gemacht. In der Partie gegen Frankfurt empfahl sich neben DeJuan Collins besonders Quadre Lollis als Mann des Abends. Dass er 26 Punkte erzielte und 13 Rebounds holte, verleitete Trainer Mutapcic zu der Aussage: "Defensiv hat er auf europäischem Spitzenniveau gespielt, offensiv auf NBA-Niveau." Das heißt was, denn Mutapcic ist nicht als Schwärmer bekannt. Schon gar nicht, wenn er gerade andere Sorgen hat.Zuerst daheim // Halbfinale: Alba Berlin trifft auf TXU Energie Braunschweig, die Telekom Baskets Bonn spielen gegen TSK Universa Bamberg. Die ersten von jeweils maximal fünf Partien finden statt an diesem Sonntag um 15 Uhr. Alba spielt zunächst in der heimischen Max-Schmeling-Halle. Die weiteren Spiele sind am Mittwoch, 21. Mai, um 19. 30 Uhr sowie am Sonntag, 25. Mai, um 15 Uhr - mit wechselndem Heimrecht.Entscheidung: Stehen nach drei Partien die Endspielteilnehmer noch nicht fest, müssen folgende Termine die Entscheidung bringen: 27. Mai, 19. 30 Uhr, und 29. Mai, 18 Uhr.PETERS Die Schmerzen des Kapitäns: Albas Henrik Rödl, verletzt am Boden im fünften Viertelfinale gegen Frankfurt. Er wurde schon am Freitag operiert.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]