Gerade hat die Berliner Schlossplatzkommission ihre erste öffentliche Anhörung hinter sich gebracht. Die üblich Engagierten sprachen das bekannt Engagierte, begeisterten die eigenen Anhänger und erregten die anderen zur Weißglut. Man wirft sich jeweils Ungeschichtlichkeit vor und will die Realität nicht sehen. Nr. 1: Der Palast der Republik ist ein asbestbefreites Gespenst. Er ist tot, wesentlich nur noch für Architektur- und Sozialhistoriker. Der Potsdamer Platz und der Hackesche Markt haben seine Funktion fürs Volksvergnügen übernommen, der Reichstag die als Parlamentshaus. Das mag man bedauern, aber es ist Realität. Wahrheit Nr. 2: Das Schloss ist tot, kann in seiner fantastischen Verzahnung eines Renaissancebaues mit einer Barockfassade und erlesenen Interieurs nicht wiederkehren. Dieses Konglomerat ist nicht wiederherzustellen, so wie Geschichte nicht wiederholt werden kann, und seine Kopie hätte heute keine Funktion. Allenfalls Teilbereiche können wiederholt werden, etwa Fassaden, die Höfe, einzelne Raumsegmente. Zwar soll die Schlosskommission ihr Votum erst Ende des Jahres vorlegen, doch bereits jetzt haben sich die meisten Mitglieder und ihr Vorsitzender Swoboda offensichtlich eine feste Meinung gebildet. Zur Nutzung: Seitdem der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, vorgeschlagen hat, die Museen außereuropäischer Kulturen aus Dahlem in die Stadtmitte zu transferieren, scheint sie weit gehend geklärt. Denn im Gegensatz etwa zu einem lokal begründeten Museum der Humboldt-Universität bieten die Dahlemer Sammlungen ideale Gelegenheit für die neue Bundesrepublik, ihre Weltoffenheit auszustellen. Daneben noch Räume für die Stadtbibliothek und für Ausstellungen, vielleicht auch einige Festsäle. Etwa dies Programm dürfte in dem Kommissions-Papier stehen. Zur Form des Neubaues: Die Kommission wird höchst wahrscheinlich für einen internationalen Architektenwettbewerb plädieren. Und um die Schlossfreunde zu befriedigen, wird "Schlüter" vor allem mit einer Rekonstruktion des Schlüterhofes und anderer Teilrekonstruktionen mitspielen dürfen. Ein Kompromiss, der schon jetzt absehbar ist. Aus gutem Grund sind die Schlossfreunde vehement dagegen: Denn im Gegensatz zu den bisherigen, zugegebenermaßen für die deutsche Architektenschaft eher peinlichen Veranstaltungen würden zum ersten Mal nicht nur Fassadenbilder gefordert, sondern wirkliche Baupläne. Und da könnte etwas herauskommen, was die Geschichte dieses Ortes nicht bei 1918 oder 1989 einfriert, sondern sie fortsetzt. Insofern hat die Kommission ihr Werk eigentlich getan.
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