Eigentlich hätte die Vorbereitung auf ein besinnliches Weihnachtsfest bei Hertha BSC kaum besser laufen können. Paul Seguin hatte mit seinem Premierentreffer im Berliner Trikot sein Geschenk sogar schon unter den Baum gelegt. Doch kurz vor der Bescherung tauchte der Grinch im Olympiastadion auf und versaute dem Hauptstadt-Klub die Feierstimmung.
Der Spielverderber war in diesem Fall kein grünes, griesgrämiges Wesen, sondern aus Sicht der Berliner Schiedsrichter Jarno Wienefeld. Dessen Entscheidung, Toni Leistners Rempler kurz vor Schluss als Notbremse zu werten und mit einer Roten Karte zu bestrafen, konnte bei den Gastgebern absolut niemand nachvollziehen.
Benjamin Weber, Sportdirektor von Hertha BSC (l.), richtete nach dem Schlusspfiff noch ein paar deutliche Worte an Schiedsrichter Jarno Wienefeld.
© City-Press
Dass Hertha dann auch noch in der sechsten Minute der Nachspielzeit das 1:1 kassierte, sorgte für zusätzlichen Zündstoff. Torhüter Tjark Ernst berichtete von „Wut“ im Bauch. Sportdirektor Benjamin Weber schimpfte über „zwei geklaute Punkte“. Und Trainer Stefan Leitl nannte den wohl spielentscheidenden Platzverweis eine unfassbare Frechheit. „Ich weiß nicht, ob man dann auch das Regelwerk richtig kennt“, kritisierte Leitl. Für ihn sei es ein kleines Foul gewesen, weit weg vom Tor.
Hinrunde wie eine Achterbahnfahrt
Ernst, der beim Gegentreffer chancenlos war, fand als Erster seinen Optimismus wieder und appellierte an seine Teamkollegen, die Wut nach der Winterpause in positive Energie umzuwandeln. „Wir geben Vollgas in der Rückrunde und greifen voll an“, erklärte der Berliner Schlussmann nach einer Hinrunde, die einer Achterbahnfahrt gleicht.
Auf einen verkorksten Saisonstart folgte eine Siegesserie, die Fans und Mannschaft wieder vom Aufstieg und sogar vom Pokalfinale träumen ließ und weiter lässt. Nun startet man mit zwei Remis und einer Niederlage im Rücken in den Weihnachtsurlaub. „Wenn wir in der Rückrunde den Start nicht so verschlafen, dann haben wir immer noch gute Chancen“, befand Ernst und berichtete von einem „puren Glauben“.
Hertha BSC gegen Arminia Bielefeld und die Frage: Was ist im Adventskalender?
Görlichs Europa-Vision für Hertha BSC: Auf den Spuren von Klinsmann und Hoeneß
Nach 17 Spieltagen verfehlt Hertha die von Leitl als „magische Marke“ bezeichneten 30 Punkte nur knapp. Mit 28 Zählern rangiert man im oberen Mittelfeld. Unmittelbar nach dem 1:1 gegen Bielefeld verspürte Kapitän Fabian Reese zwar ein gedämpftes Gefühl, aber auch die Gewissheit, „dass wir ein System gefunden haben, eine Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen“.
Noch auf dem Spielfeld hatte sich der Flügelstürmer an die Fans gewendet und einen guten Rutsch ins neue Jahr gewünscht: „Mit der Wunschrakete, den Traum vom nächsten Sommer hinzubekommen.“
Hartes Auftaktprogramm in der Rückrunde
Nach der Weihnachtspause treffen sich die Berliner am 2. Januar wieder zum Trainingsauftakt auf dem Schenckendorffplatz. Nach einem einwöchigen Trainingslager an der Algarveküste in Portugal wartet zum Rückrundenstart gleich ein hartes Programm: Schalke, Darmstadt, Karlsruhe, Elversberg – drei dieser vier Teams haben die Hinrunde auf den Aufstiegsplätzen beendet. Dort möchte sich Hertha BSC nach der Hinrunde befinden und sollte idealerweise gleich gegen diese Kontrahenten ins Punkten kommen.
Ob Niklas Kolbe dann wieder dabei ist, bleibt abzuwarten. Der Abwehrspieler war im Spiel gegen Bielefeld nach rund 15 Minuten verletzt vom Platz gehumpelt: Leitls erste Diagnose: Eine Wadenverletzung und einige Wochen Pause.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]