Herthas Neuer

Christine Richter
3 Min

Er ist am Ziel: Werner Gegenbauer, 57, erfolgreicher Unternehmer in Berlin und bislang Aufsichtsratsvorsitzender beim Bundesliga-Club Hertha BSC, wird neuer Präsident des Fußballvereins. Er tauscht den Platz mit dem bisherigen Präsidenten Bernd Schiphorst, der Aufsichtsratschef werden soll. Schiphorst wollte seinen Job eigentlich behalten, hat der Präsident nach einer Satzungsänderung künftig doch sehr viel mehr zu sagen. Doch Gegenbauer gewann die interne Auseinandersetzung, auf der Mitgliederversammlung am 23. Mai wird es nun zu keiner Kampfabstimmung kommen. Der mächtige Mann bei Hertha BSC - neben Manager Dieter Hoeneß - heißt Gegenbauer.Der künftige Vereinspräsident stellte sich gestern nach der Bekanntgabe des Rollentauschs auf mehr Arbeit und auch auf Auseinandersetzungen ein: "Kontinuität heißt nicht nur Harmonie-Sauce oder Abschlaffen." Damit ist bei Gegenbauer auch gar nicht zu rechnen, denn er ist erfahren, umtriebig, ehrgeizig und ein wirklicher Fan von Hertha BSC. Jetzt will er mit dem Verein auch in der Bundesliga Erfolg haben - so wie in seinem Beruf.Sein Vater, Carl Gegenbauer, hatte das Unternehmen für Gebäudereinigung 1925 in Berlin gegründet, der Sohn lernte das Geschäft von Grund auf kennen. Werner Gegenbauer machte eine Lehre als Gebäudereiniger, sammelte Erfahrungen in England und der Schweiz und trat schließlich in die Unternehmensleitung ein. 1986 übernahm er die Firma und baute sie aus - Sicherheitsdienste, Aufgaben im Gesundheitswesen, Wohnungswirtschaft, Sporthallen kamen hinzu. Doch der Markt ist heiß umkämpft, nur die großen Firmen haben eine Chance - im Jahr 2001 verkaufte Gegenbauer den größten Teil des Familienbetriebs an die Salamander AG. Aber das Geschäft lief nicht gut und weil Gegenbauer die Firma sehr am Herzen liegt, kaufte er 2003 mit zwei Geschäftspartnern einen Teil zurück, so dass diese gemeinsam jetzt 51 Prozent der Stimmrechte besitzen. 11 500 Menschen haben bei Gegenbauer einen Arbeitsplatz, der Jahresumsatz liegt bei 310 Millionen Euro.Doch Gegenbauer ist nicht nur ein geschickter Unternehmer, sondern auch einer, der sich für das, was ihm wichtig ist, einsetzt. Sieben Jahre lang war er Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Berlin, bevor er 2004 das Amt niederlegte. In diesen Jahren baute er seine Kontakte in die Politik und zu anderen Wirtschaftsvertretern aus, so dass Gegenbauer zu Recht als einer der best-vernetzten Manager in Berlin gilt. Sein Kontakt zum Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist eng und vertraut, aber auch zu kleinen Runden mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird er geladen. Er engagiert sich für benachteiligte Schüler in Berlin, vor allem aber für den Sport. So rettete Gegenbauer das Leichtathletikfest Istaf mit einem neuen Konzept, holte mit seinem Einsatz die Leichtathletik-WM 2009 nach Berlin und wurde als Funktionär in den letzten Jahren für Hertha BSC immer wichtiger. Nun steht er an Spitze.Sport Seite 18------------------------------Foto: Werner Gegenbauer, neuer Präsident von Hertha BSC

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