Die Berliner Polizei will ihre Kontrollen am U-Bahnhof Turmstraße und im Kleinen Tiergarten verstärken, um den Drogenhandel in Moabit einzudämmen. Das sagte am Dienstag Andreas Gollub vom Polizei-Abschnitt 33. Seit Herbstbeginn stehen an den U-Bahn-Ausgängen sowie vor dem Hertie-Kaufhaus etwa 20 Dealer und bieten Heroin und Kokain an. Bereits im Oktober hatten Polizeibeamte bei Kontrollen 40 Händler und Drogenabhängige festgenommen sowie Heroin, Handys und Geld beschlagnahmt. Drahtzieher am FensterDie Geschäftsleitung des Hertie-Kaufhauses arbeite mittlerweile "intensiv mit der Polizei zusammen", sagte am Dienstag die Geschäftsführerin des Kaufhauses, Antje Leinemann. Ihr sei bereits aufgefallen, dass "Drogenhändler in dem Kaufhaus-Restaurant sitzen und die Fensterplätze besonders begehrt sind". Anwohner und Kunden des Kaufhauses hatten berichtet, dass die Drahtzieher des Drogengeschäfts von den Restaurant-Fenstern aus die Szene auf der Straße überwachen, kontrollieren und per Handy Anweisungen geben. Außerdem seien Drogen in den Toiletten sowie in den Blumenkästen des Restaurants deponiert worden. Zu Maßnahmen in dem Kaufhaus wollten sich Polizei und Hertie-Geschäftsführung nicht äußern. Nach Angaben der Polizei ist es allerdings schwer, die Dealer zu stellen, da diese über ein gutes Kommunikations-System verfügen. Sollten bei Kontrollen doch Drogen gefunden werden, seien die Mengen nur gering, so dass die Täter schon nach kurzer Zeit wieder auf freiem Fuß seien. Oft werde der Stoff von den Dealern einfach im Mund behalten und bei Kontrollen hinuntergeschluckt.Nach Schätzungen von Drogenberatungsstellen und Vereinen versorgen sich am U-Bahnhof Turmstraße derzeit etwa 150 bis 200 Abhängige mehrmals täglich mit harten Drogen. Die Vereine wie Boa und Fixpunkt tauschen pro Woche fast 2 000 Spritzen. Sie haben ihre Beratungsangebote ausgeweitet. Der Bereich am U-Bahnhof Turmstraße gehört zu den größten Umschlagplätzen für Heroin, seit die Szene im Sommer vom Breitscheidplatz verdrängt wurde.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]