JERUSALEM. "Traumhaft" nennen die Experten solche Wirtschaftsdaten: Mit 6,6 Prozent Wachstumsrate muss Israel nicht mal den Vergleich mit "asiatischen Tigern" wie Südkorea oder Hongkong scheuen. Deutsche Unternehmen hoffen, davon zu profitieren. Auf den Ausbau der Handelsbeziehungen setzt auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, der dieser Tage mit einer 47-köpfigen deutschen Delegation in Israel unterwegs war.Große InfrastrukturprojekteSchon jetzt sind die Deutschen nach den USA die wichtigsten Geschäftspartner für die Israelis. Deren Stärken liegen im High-Tech-Bereich, der Rüstungsindustrie aber auch im Tourismus. Zudem hat der Wachstumssprung viel mit Großinvestitionen Israels in die Infrastruktur zu tun. Ein modernes Bahnnetz entsteht, der Bausektor boomt. Auch die Reiselust ins Heilige Land blüht. Die Besucher-Zahlen stiegen 2005 im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um dreißig Prozent. Lufthansa und Hapagfly wollen die Israel-Flüge aus Deutschland von 14 auf 25 pro Woche steigern.Im Jahr 2000, bis zum Ausbruch der Intifada, erzielte Israel schon einmal fast neun Prozent Wachstum. Bombenterror, aber auch der Einbruch der Hochtechnologie-Börse Nasdaq machten alles zunichte. Allmählich verbesserte sich die Sicherheitslage wieder. Und der High-Tech-Sektor boomt wieder. "Es gibt eine ganze Reihe junger Unternehmer, die blitzschnell auf neue Entwicklungen reagiert haben", sagte Daniel Gottlieb, Berater der Bank of Israel. Zudem hat das Land Freihandelsverträge nicht nur mit der EU und den USA abgeschlossen, sondern beliefert dank umfangreicher Verträge der Militärindustrie auch Handelsriesen wie China und Indien. Als Unternehmensvorteil gilt außerdem der extrem flexible, israelische Arbeitsmarkt. Das hat jedoch einen hohen sozialen Preis. Dass die Arbeitslosenquote von über zehn auf 8,8 Prozent sank, ist größtenteils schlecht bezahlten Teilzeitjobs zu verdanken. Auch liegt die Armutsrate bei über zwanzig Prozent, Tendenz steigend. Fast ein Viertel der Bevölkerung - vor allem fromme Ultraorthodoxe sowie die arabische Minderheit - hat zu wenig für ein anständiges Leben. Auch die Einkommensschere klafft in Israel auseinander, überboten nur von Ländern wie Mexiko und Russland.------------------------------Foto: Bauboom und Investitionen in die Infrastruktur heizen Israels Wachstum an.
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