PEKING. Chinas Finanzminister ist überraschend ausgetauscht worden. Medienberichten zufolge ist der bisherige Amtsinhaber Jin Renqing, 63, in einen Sexskandal verwickelt, der bereits zwei Spitzenbeamte zu Fall gebracht hat. Präsident Hu Jintao ernannte gestern den Direktor der Staatlichen Steuerbehörde, Xie Xuren, 59, zu Jins Nachfolger. Jin wurde um einen Rang degradiert und ist nun stellvertretender Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung, einer Denkfabrik des Staatsrats.Offiziell wurden für Jins Rücktritt "persönliche Gründe" angegeben, doch der unerwartete Wechsel sechs Wochen vor dem 17. Parteikongress und ein halbes Jahr vor der Regierungsneubildung beim Nationalen Volkskongress im Frühjahr 2008 gilt als sicheres Indiz, dass Jin schwere Vergehen vorgeworfen werden. Ob ihm weitere Disziplinarmaßnahmen drohen, wurde bisher nicht bekannt.Erfolgreiche SteuerreformenBisher gab es keine Anzeichen, dass Jin intern umstritten sein könnte. Als Finanzminister hatte er seit 2003 mehrere erfolgreiche Steuerreformen eingeleitet und die Staatseinnahmen stark erhöht; 2006 stiegen sie um 21,9 Prozent. Der stellvertretende Zentralbankgouverneur Su Ning erklärte, die Personalie bedeute keine Veränderung der Finanzpolitik.Medien in Hongkong und Taiwan berichteten, Jins Fall stehe im Zusammenhang mit dem Sturz des ehemaligen Parteichefs der Hafenstadt Qingdao, Du Shicheng, sowie der Verhaftung des Aufsichtsratsvorsitzenden des staatlichen Ölkonzerns China Petroleum & Chemical Corp (Sinopec), Chen Tonghai. Du war im vergangenen Dezember wegen "ernster Disziplinarverstöße", sprich Korruption, aller Partei- und Regierungsämter enthoben worden. Eine von der Zentralen Disziplinarkommission vernommen Geliebte von Du soll während der Verhöre die Namen weiterer hochrangige Bettgenossen genannt haben, darunter Chen und Jin. Als Unternehmerin soll sie von diesen Beziehungen finanziell profitiert haben. Wie die taiwanesische Zeitung Lianhe Wanbao erfahren haben will, seien die Ermittler vor allem deswegen "schockiert" gewesen, weil die Frau "nicht attraktiv und mittleren Alters" sei. Chen wurde im Juni am Pekinger Flughafen verhaftet. Da Korruption in China häufig mit Liebesaffären oder Prostitution einhergeht, wurde bereits 2004 ein Gesetz erlassen, das Beamten außereheliche Beziehungen verbietet. Jin hatte sich im vergangenen Jahr scheiden lassen und zum zweiten Mal geheiratet.------------------------------Foto: Jin Renqing verlor sein Amt.
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