Hirnforschung

Männer sind anders verdrahtet als Frauen

Eine US-Studie zeigt: In weiblichen Hirnen kommunizieren die Hirnhälften mehr miteinander – das fördert analytisches und intuitives Denken. Bei Männern bestehen mehr Verbindungen innerhalb der Hirnhälfte.

Anja Garms
2 Min
Der kleine Unterschied: Netzwerke im Gehirn von Männern (oben) und Frauen (unten). Die blauen Linien stehen für Verknüpfungen innerhalb einer Gehirnhälfte, orange dargestellt sind Verknüpfungen zwischen zwei Gehirnhälften.

Der kleine Unterschied: Netzwerke im Gehirn von Männern (oben) und Frauen (unten). Die blauen Linien stehen für Verknüpfungen innerhalb einer Gehirnhälfte, orange dargestellt sind Verknüpfungen zwischen zwei Gehirnhälften.

© University of Pennsylvania Lizenz

Bilder der Nervenfasern

Die anatomischen Unterschiede könnten die oft beschriebenen unterschiedlichen Eigenschaften von Männern und Frauen erklären. So könnten Männer dank ihrer Hirnarchitektur ihre Wahrnehmungen besser in koordinierte Handlungen umsetzen, Frauen hingegen besser analytische und intuitive Informationen miteinander verbinden. Die Forscher um Madhura Ingalhalikar hatten die Verbindungen innerhalb des Gehirns mit einem Verfahren untersucht, das Diffusions-Tensor-Bildgebung genannt wird. Dabei können über die Bewegungen von Wassermolekülen Rückschlüsse auf den Verlauf der Nervenfasern gezogen werden. Sie wendeten das Verfahren bei fast tausend Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 8 und 22 Jahren an. Für die Auswertung unterteilten die Forscher das Gehirn in 95 Bereiche.

Die Untersuchung ergab, dass männliche Gehirne offenbar für eine Kommunikation innerhalb der Hirnhälften optimiert sind. So hatten zum Beispiel einzelne Bereiche des Gehirns viele Verknüpfungen mit ihren direkten Nachbarbereichen. Es gab also mehr lokale Verbindungen mit kurzer Reichweite.

Bei Frauen hingegen fanden die Forscher mehr längere Nervenverbindungen vor allem zwischen den beiden Gehirnhälften. Nur im Kleinhirn war es genau andersherum: Dort gab es bei den Männern viele Verbindungen zwischen den, bei Frauen innerhalb der beiden Hälften. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern verstärkten sich im Laufe der Altersentwicklung, zeigte die Untersuchung weiter.

Befunde passen zum Verhalten

In einer früheren Verhaltensstudie mit noch mehr Probanden hatten die Forscher festgestellt, dass Frauen sich besser Wörter und Gesichter merken können, aufmerksamer sind und ein besseres soziales Erkenntnisvermögen haben als Männer. Diese wiederum könnten räumliche Informationen besser verarbeiten und schnitten in der Bewegungskoordination besser ab. Die beobachteten Unterschiede in der Hirnverknüpfung, schreiben die Forscher, deckten sich mit diesen Verhaltensweisen.

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