Der demokratische Senator Cory Booker aus New Jersey hat mit einer Rede im US-Senat von 25 Stunden und fünf Minuten einen neuen Rekord aufgestellt. Booker betrat zuvor am Montagabend den Senatssaal und sagte, er werde dort bleiben, solange er „körperlich dazu in der Lage“ sei. Die ganze Nacht hindurch und bis Dienstagnachabend sprach er dann am Rednerpult über die Einwände der Demokraten gegen Präsident Donald Trumps umfassende Maßnahmen.
„In nur 71 Tagen hat der Präsident der Vereinigten Staaten der Sicherheit der Amerikaner, ihrer finanziellen Stabilität und den Grundfesten unserer Demokratie so viel Schaden zugefügt“, sagte Booker unter anderem. „Dies sind keine normalen Zeiten in unserem Land. Ich erhebe mich mit der Absicht, die normale Arbeit des US-Senats zu stören, solange ich körperlich dazu in der Lage bin“, sagte Booker zu Beginn seiner Rede. Die Bedrohungen für das amerikanische Volk und die amerikanische Demokratie seien ernst und dringend. „Wir alle müssen mehr tun, um ihnen entgegenzuwirken“, so Booker.
Er kritisierte in seiner Marathonrede Trumps Bemühungen, gemeinsam mit Elon Musks Ministerium für Regierungseffizienz (Doge) die Regierung zu sanieren und sprach über zahlreiche weitere Themen – darunter Sozialversicherung, Medicaid und Einwanderung.
Cory Booker durfte nicht auf Toilette gehen
Wie US-Medien berichten, konnte Booker das Wort nicht für eine Pause, zum Sitzen oder für einen Toilettengang abgeben, da dies dem Vorsitzenden ermöglichen würde, mit den Senatsgeschäften fortzufahren.
Um den denkwürdigen Marathon ohne einen Toilettengang durchzuhalten, habe er vorher tagelang gefastet, erzählte Booker laut US-Medien einer Gruppe von Reportern nach der Rede. „Ich glaube, ich habe am Freitag mit dem Essen aufgehört und dann am Abend vor dem Start am Montag mit dem Trinken. Das hatte seine Vorteile, aber auch seine wirklichen Schattenseiten“, wurde Booker zitiert. In den vielen Stunden am Pult habe er dann Muskelkrämpfe und Spasmen gehabt.
Senator Cory Booker während seiner Rekordrede im US-Kongress.
© US Senate TV
Im Laufe des Dienstags erhielt Booker Unterstützung von demokratischen Kollegen, die ihm eine Redepause gewährten, um ihm eine Frage zu stellen und seine Leistung zu loben. Booker gab zwar nach, betonte aber, dass er das Wort nicht abgeben werde. Er blieb stehen, um den Senatsregeln zu entsprechen. Am Nachmittag verfolgten Zehntausende Menschen Bookers Rede auf seiner YouTube-Seite zum Senat sowie in anderen Livestreams.
„Ihre Stärke, Ihre Standhaftigkeit, Ihre Klarheit waren einfach unglaublich, und ganz Amerika hört Ihnen zu“, sagte der demokratische Senatsführer Chuck Schumer, als er Booker im Senat eine Frage stellte. „Ganz Amerika muss wissen, dass es so viele Probleme gibt, die katastrophalen Handlungen dieser Regierung.“
Mit einer Redezeit von insgesamt 24 Stunden und 20 Minuten (abgezogen der Fragen) sprach Booker damit zwei Minuten länger als der bisherige Rekordhalter Strom Thurmond. Die von Thurmond im Jahr 1957 gehaltene Rede dauerte 24 Stunden und 18 Minuten. Mit ihr versuchte der rechtsgerichtete Senator damals, ein Bürgerrechtsgesetz für Afroamerikaner zu blockieren. Thurmond stärkte sich dabei mit Pumpernickel, Hamburgerstückchen und Orangensaft. Ein Eimer in einem Hinterzimmer soll ihm als improvisierte Toilettenlösung gedient haben.
Cory Bookers Rede ist formal kein Filibuster
Nach den Regeln der Parlamentskammer darf ein Senator so lange sprechen, wie er vom Vorsitz anerkannt ist – sofern keine besonderen Beschränkungen für die Debatte gelten. Dabei muss er durchgehend stehen und darf sich nur mit minimalen Unterbrechungen äußern.
Trotz ihrer außergewöhnlichen Länge erfüllt Bookers Rede nicht die formalen Kriterien eines sogenannten Filibusters – einer Verzögerungstaktik, mit der Gesetzesvorhaben durch lange Reden blockiert werden können. Denn die Rede findet nicht im Rahmen einer konkreten Debatte über ein Gesetz oder eine Personalie statt. (mit AFP)
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