Bei den Ausgrabungen am Berliner Molkenmarkt haben Archäologen einen außergewöhnlich gut erhaltenen Steinkeller aus dem späten Mittelalter entdeckt. Der Fund soll nach Vorstellung des Landesdenkmalamtes dauerhaft sichtbar gemacht werden.
Das Landesdenkmalamt Berlin hat am Molkenmarkt einen spätmittelalterlichen Steinkeller freigelegt. Das teilte die Behörde am Mittwoch mit. Der älteste Kellerraum stamme aus dem 14. oder frühen 15. Jahrhundert und übertreffe mit mindestens 8,50 Metern Länge und fast 7,50 Metern Breite die übliche Größe zeitgenössischer Wohnbebauung deutlich.
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Wichtige Bauwerke in der Nähe: Wozu gehörte der Keller?
Der wissenschaftliche Projektleiter Eberhard Völker vom Landesdenkmalamt erklärte, der Keller habe möglicherweise als Kauf- und Handelskeller gedient und zu einem bislang unbekannten, großen und repräsentativen Bauwerk gehört. Bemerkenswert sei die Lage in unmittelbarer Nähe zum mittelalterlichen Rathaus und zum Hohen Haus, dem Sitz der askanischen Markgrafen.
Die Fundamente und Mauern aus großen Feldsteinen und großformatigen Ziegeln sind nach Angaben des Amtes bis zu 2,30 Meter hoch erhalten. Erkennbar seien auch Reste von Licht- und Lüftungsöffnungen sowie Verwahr- und Lichtnischen. Die ursprüngliche Balkendecke sei bereits im 16. Jahrhundert durch ein Tonnengewölbe ersetzt worden. In seinen Grundzügen sei das Bauwerk bis zur kriegsbedingten Zerstörung erhalten geblieben. Die Verfüllung und Versiegelung des Areals nach 1945 habe die guten Erhaltungsbedingungen begünstigt.
Landesdenkmalamt strebt dauerhafte Sichtbarkeit an
Landeskonservator Christoph Rauhut, Direktor des Landesdenkmalamtes, bezeichnete den Fund als außergewöhnlich und von großer Bedeutung für die Berliner Stadtgeschichte. Aufgrund des guten Erhaltungszustandes eigne sich das Bauwerk in besonderer Weise dafür, als archäologisches Fenster dauerhaft sichtbar gemacht zu werden. Diesen Vorschlag wolle das Amt in den weiteren Planungsprozess einbringen. Zum Schutz vor Umwelteinflüssen wird der Keller laut Mitteilung ab Mitte Juni zunächst verfüllt.
Der für Stadtentwicklung zuständige Senator Christian Gaebler erklärte, das Molkenmarkt-Projekt sei eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in der historischen Mitte Berlins und zugleich eine der größten stadtarchäologischen Untersuchungen Deutschlands.
Die Stadtkerngrabung läuft seit September 2019. Bis zum geplanten Ende 2027 soll laut Landesdenkmalamt eine Fläche von rund 25.000 Quadratmetern bis in vier Meter Tiefe untersucht werden. Mehr als 70 Prozent der Gesamtfläche seien bereits ergraben. Zu den bisherigen Funden zählten unter anderem ein bis zu sieben Meter breiter und 50 Meter langer Bohlendamm aus der Zeit um 1230, über 100 Brunnen und Latrinen sowie Lehmkuppelöfen und Schmieden. Insgesamt seien bislang rund 800.000 Funde dokumentiert worden.
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