Der niederländische Wetterdienst KNMI hat am Freitag erstmals seit Einführung des Warnsystems die höchste Stufe Code Rot wegen Hitze ausgerufen. Sie gilt seit Mitternacht in acht der zwölf Provinzen. Im Binnenland werden nach Angaben des KNMI Höchsttemperaturen zwischen 36 und 39 Grad erwartet, örtlich sind bis zu 40 Grad möglich. In Zeeland, Friesland, Groningen und Drenthe gilt Code Orange, auf den Watteninseln die niedrigste Stufe Gelb.
Auch bei den bisherigen Rekordtemperaturen im Sommer 2019, als in Gilze-Rijen mit 40,7 Grad erstmals die 40-Grad-Marke überschritten wurde, hatte der KNMI die höchste Stufe nicht ausgerufen. KNMI-Generaldirektor Maarten van Aalst sagte dem öffentlich-rechtlichen Sender NOS, an den vorangegangenen Hitzetagen sei eine deutliche Übersterblichkeit beobachtet worden. Die Warnung solle dazu beitragen, gesundheitliche Folgen zu begrenzen.
Auswirkungen auf Verkehr und Pflege
Über die Entscheidung für Code Rot beraten beim KNMI nicht nur Wetterfachleute, sondern auch Polizei, Feuerwehr, das nationale Krisenzentrum, die Bahninfrastrukturgesellschaft ProRail und das Verkehrsministerium. Ausgerufen wird die Stufe, wenn extremes Wetter das gesellschaftliche Leben erheblich beeinträchtigen kann.
Der KNMI rät, kühle Orte aufzusuchen, ausreichend zu trinken und körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Die staatliche Verkehrs- und Wasserbehörde Rijkswaterstaat warnte davor, mit dem Auto unterwegs zu sein. Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Pflegedienste haben nach Angaben von NOS besondere Vorkehrungen für Risikogruppen getroffen.
Warnungen in Belgien und Luxemburg
In Belgien hat das Königliche Meteorologische Institut KMI für Freitag verbreitet mehr als 35 Grad und im Osten des Landes örtlich bis zu 40 Grad vorhergesagt. In den Provinzen Limburg und Lüttich gilt nach Angaben des KMI ebenfalls die Stufe Rot. Der belgische Krisenstab hatte bereits am Dienstag die Alarmphase des Ozon- und Hitzeplans aktiviert. Es ist die erste Aktivierung seit August 2020.
Auch der luxemburgische Wetterdienst MeteoLux hat für das gesamte Land die höchste Warnstufe ausgerufen, sie gilt bis Sonntagmorgen. Erwartet werde extremer Hitzestress mit einer sehr warmen Nacht ohne nennenswerte Abkühlung über mindestens drei Tage.
Für Freitagabend warnte MeteoLux zudem vor Gewittern mit Hagel und Böen bis 80 Kilometer pro Stunde. Das luxemburgische Sportministerium rief Verbände und Vereine auf, Wettkämpfe am Wochenende zu verschieben, abzusagen oder in kühlere Tageszeiten zu verlegen.
Junirekord in der Schweiz geknackt
In der Schweiz meldet der staatliche Wetterdienst MeteoSchweiz ebenfalls eine anhaltende Hitzewelle. Nach Angaben der Wetterredaktion des öffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunks SRF könnte der Juni 2026 in Basel mit einem voraussichtlichen Monatsmittel von rund 22 Grad der zweitwärmste seit Beginn der Messungen im Jahr 1755 werden.
In Luzern werde die 30-Grad-Marke seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1886 erstmals an 13 aufeinanderfolgenden Tagen überschritten. Am Donnerstag wurden laut SRF in der Schweiz bereits 38,0 Grad gemessen. Der Juni-Hitzerekord von 1947 wurde damit gebrochen.
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