Extremwetter

Europa steuert auf Höhepunkt der Hitzewelle zu – Forscher und WHO schlagen Alarm

Europa steuert auf den Höhepunkt der Hitzewelle zu. Eine Studie sieht darin die schwerste und weitreichendste Hitze, die ohne den Klimawandel nicht möglich gewesen wäre.

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Ein Mann trinkt während der Hitzewelle Wasser in seinem Auto. Bei starker Sonneneinstrahlung können sich Fahrzeuge innerhalb kurzer Zeit extrem aufheizen.

Ein Mann trinkt während der Hitzewelle Wasser in seinem Auto. Bei starker Sonneneinstrahlung können sich Fahrzeuge innerhalb kurzer Zeit extrem aufheizen.

© Wolfgang Maria Weber/imago

Die Hitzewelle in Europa verschärft sich weiter. In mehreren Ländern gelten Hitzewarnungen, Krankenhäuser melden mehr Notfälle und Meteorologen erwarten am Wochenende vielerorts neue Temperaturrekorde. Eine aktuelle Analyse des internationalen Forschungsverbunds World Weather Attribution (WWA) ordnet das Ereignis als außergewöhnlich ein: Nach Einschätzung der Forscher wäre eine derart schwere und großflächige Hitzewelle ohne den Klimawandel nicht möglich gewesen.

Bereits jetzt melden mehrere Länder eine steigende Zahl hitzebedingter medizinischer Notfälle. Krankenhäuser stehen unter zusätzlicher Belastung, Schulen bleiben teilweise geschlossen und auch der Bahn- und Flugverkehr ist mancherorts beeinträchtigt.

Studie: Schwerste Hitzewelle für große Teile Europas

Eine neue Analyse des internationalen Forschungsverbunds World Weather Attribution (WWA) bewertet die aktuelle Lage als außergewöhnlich. Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich um die schwerste und räumlich am weitesten verbreitete Hitzewelle, die jemals für einen so großen Teil Europas untersucht worden sei. Die Forscher werteten Beobachtungsdaten und Wetterprognosen für den heißesten Dreitageszeitraum in Westeuropa aus. Nach ihrer Einschätzung wäre ein solches Ereignis im Juni ohne die durch den Ausstoß von Treibhausgasen verursachte Erderwärmung nicht möglich gewesen.

„Dies ist die schwerste und weitreichendste Hitzewelle, die jemals eine so große Region Europas betroffen hat“, erklärte Theodore Keeping vom Imperial College London und Mitglied des WWA-Teams.

Hohe Luftfeuchtigkeit erhöht Gesundheitsrisiko

Besonders besorgniserregend sei nach Angaben der Wissenschaftler nicht allein die Temperatur, sondern auch die hohe Luftfeuchtigkeit. Sie erschwere dem menschlichen Körper das Abkühlen durch Schwitzen erheblich.

Nach Berechnungen der WWA erleben rund 45 Prozent der mehr als 850 größten Städte Europas derzeit den höchsten jemals gemessenen sogenannten Hitzestress. Dabei wird neben der Lufttemperatur auch die Feuchtigkeit berücksichtigt. Diese Kombination gilt als deutlich gefährlicher als trockene Hitze.

Forscher: So wird die Hitze sogar noch verstärkt

Nach Einschätzung der Forscher hat sich die Wahrscheinlichkeit einer solchen Hitzewelle innerhalb weniger Jahrzehnte massiv erhöht. Während eine vergleichbare Wetterlage im Hitzesommer 2003 nach ihren Berechnungen noch rund zwei Grad kühler ausgefallen wäre, hätte sie 1976 sogar etwa 3,5 Grad niedrigere Temperaturen erreicht.

Die Wissenschaftler sehen den Grund dafür in der fortschreitenden globalen Erwärmung. Das derzeitige Hochdruckgebiet über Europa sei als Wetterlage zwar nicht ungewöhnlich. Die außergewöhnliche Intensität der Hitze werde jedoch durch den langfristigen Temperaturanstieg verstärkt.

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Tausende Hitzetote in Europa

Welche gesundheitlichen Folgen die aktuelle Hitzewelle haben wird, lässt sich nach Angaben der Wissenschaftler erst nachträglich berechnen. Frühere Ereignisse zeigen jedoch das Ausmaß der Gefahr. Nach einer viel beachteten Untersuchung starben im Hitzesommer 2022 mehr als 60.000 Menschen in Europa infolge extremer Temperaturen. Eine weitere Studie kam zu dem Ergebnis, dass während einer deutlich kleineren Hitzewelle im Jahr 2024 innerhalb von nur drei Tagen mehr als 2300 Menschen in zwölf europäischen Städten ums Leben kamen. Rund zwei Drittel dieser Todesfälle seien ohne den Klimawandel nicht eingetreten.

UN-Klimachef Simon Stiell erklärte mit Blick auf die neue Analyse, der Klimawandel schreite ungebremst voran. Gleichzeitig seien die Lösungen bekannt: der schnellere Umstieg auf saubere Energien, der Schutz von Wäldern sowie Investitionen in klimaresistente Städte und Infrastruktur.

Ein Hitzebus des Deutschen Roten Kreuzes versorgt Menschen in Stuttgart mit Wasser und Getränken. Der Deutsche Wetterdienst warnte während der Hitzewelle vor starker bis extremer Wärmebelastung.

Ein Hitzebus des Deutschen Roten Kreuzes versorgt Menschen in Stuttgart mit Wasser und Getränken. Der Deutsche Wetterdienst warnte während der Hitzewelle vor starker bis extremer Wärmebelastung.

© Andreas Friedrichs/imago

WHO warnt vor tödlichen Folgen der Hitze

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, warnte angesichts der Hitzewelle vor den gesundheitlichen Folgen extremer Temperaturen. „Extreme Hitze zählt zu den schwerwiegendsten und am schnellsten wachsenden Gesundheits- und Sicherheitsbedrohungen, die durch den Klimawandel entstehen“, sagte er bei einer Pressekonferenz in Genf. Nach Angaben der WHO sterben weltweit jedes Jahr rund eine halbe Million Menschen an den Folgen großer Hitze. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Kinder, Schwangere, chronisch Kranke sowie Menschen, die im Freien arbeiten.

Die Folgen der aktuellen Hitzewelle zeigen sich bereits in mehreren Ländern. Nach Angaben des spanischen Gesundheitsinstituts Carlos III. könnten zwischen Sonntag und Mittwoch mindestens 212 Todesfälle mit den außergewöhnlich hohen Temperaturen zusammenhängen. In Frankreich wurde unterdessen mit 29,2 Grad die höchste jemals im Juni gemessene landesweite Durchschnittstemperatur registriert. Das Land verzeichnete zudem mehrere Hitzetote und zahlreiche neue Temperaturrekorde.

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