Vor dem WM-Halbfinale zwischen England und Argentinien am Mittwoch in Atlanta, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Georgia, greift ein verschärftes Sicherheitskonzept. Erstmals bei diesem Turnier werden die Anhänger beider Mannschaften über getrennte Eingänge ins Atlanta Stadium geführt. Das sagte die argentinische Sicherheitsministerin Alejandra Monteoliva dem Radiosender La Red.
Wie Monteoliva berichtete, sind zu dem Spiel in Atlanta 1600 Polizeikräfte im Einsatz. Zudem sei das Mitführen von Flaschen sowie von Fahnen und Bannern mit politischem oder provozierendem Inhalt untersagt. Dazu zählen auch Symbole, die argentinische Souveränitätsansprüche auf die Falklandinseln – in Argentinien Islas Malvinas genannt – zum Ausdruck bringen.
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Die Polizei von Atlanta bestätigte laut Nachrichtenagentur Reuters eine erhöhte Präsenz in der Stadt. Man arbeite eng mit der Bundespolizei FBI zusammen. Details zu Risikoeinschätzungen nannte die Behörde nicht. Die argentinische Zeitung La Nación berichtete aus Atlanta, dass rund um die Fan-Zone im Stadtzentrum auch Kräfte der Drogenbehörde DEA und des FBI im Einsatz seien. US-Behörden stuften die Partie als Hochrisikospiel ein.
Opposition in Argentinien protestiert
In Buenos Aires löste das Verbot der Malvinas-Symbole eine politische Kontroverse aus. Mehrere Oppositionsparteien kritisierten, dass die Regierung von Präsident Javier Milei das Verbot billigte.
Die Abgeordnete Paula Penacca vom peronistischen Oppositionsbündnis Unión por la Patria schrieb auf X, wer die Flagge der Malvinas verbiete, verbiete die Flagge Argentiniens. Der Abgeordnete Pablo Juliano von der Radikalen Bürgerunion warf der ultraliberalen Regierung eine politische Nähe zur früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher vor. Im Parlament wurde ein Missbilligungsantrag eingebracht.
Politisch aufgeladene Rivalität
Der britische Guardian ordnete die Sicherheitsvorkehrungen in den Kontext einer erneut politisch aufgeladenen Rivalität ein. Beide Länder trafen bislang fünfmal bei Weltmeisterschaften aufeinander. Die Beziehung ist seit dem Falklandkrieg von 1982 belastet, bei dem laut Reuters 907 Menschen ums Leben kamen.
Argentinien leitet seinen Anspruch auf die Malvinen aus der spanischen Kolonialherrschaft und einer eigenen Verwaltung bis 1833 ab, als die britische Marine die argentinische Garnison zum Abzug zwang. London verweist dagegen auf die seither bestehende britische Verwaltung und das Selbstbestimmungsrecht der Inselbevölkerung.
Am 2. April 1982 ließ die argentinische Militärjunta die Inseln besetzen. Großbritannien eroberte sie unter Premierministerin Thatcher zurück, am 14. Juni kapitulierten die argentinischen Truppen. Der Sieg stärkte Thatcher innenpolitisch und begünstigte ihren Wahlerfolg 1983. In Argentinien diskreditierte die Niederlage die Junta und beschleunigte den Übergang zur Demokratie, der mit Raúl Alfonsíns Amtsantritt als Präsident am 10. Dezember 1983 vollzogen wurde.
Die englische Fanorganisation Football Supporters' Association erklärte vorab, das Verhalten der englischen Anhänger in Nordamerika habe dem Land Ehre gemacht. Monteoliva sagte, es sei derzeit schwer abzuschätzen, wie viele argentinische Fans zum Spiel kommen würden. Ziel sei eine friedliche Feier.
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