In Südbrasilien hat sich eine ganze Rinderherde schwimmend vor einer Überschwemmung gerettet. Aufnahmen aus dem Ort Lagoa Vermelha im Norden des Bundesstaats Rio Grande do Sul zeigen, wie die Tiere dem Rufen ihres Besitzers folgen, durch das Hochwasser schwimmen und sicheres Ufer erreichen. Das Video wurde nach Angaben des Nachrichtenportals G1 am Dienstagnachmittag (Ortszeit) von einem Anwohner aufgenommen.
Vorangegangen waren schwere Regenfälle, die erneut Teile von Rio Grande do Sul trafen und laut dem Nachrichtenportal Sou Agro Dutzende Gemeinden in Alarmbereitschaft versetzten. Der Fluss Passo do Cipó zwischen den Gemeinden Lagoa Vermelha und Capão Bonito do Sul stieg dabei rasch an. Nach Daten des hydrometeorologischen Dienstes von Rio Grande do Sul, die G1 zitiert, erreichten die Niederschlagsmengen in der Gemeinde binnen 24 Stunden bis zum Mittwochmorgen 191,6 Millimeter.
Wenige Minuten entschieden
Nach eigener Schilderung war der Landwirt zu den Tieren gefahren, um nach ihnen zu sehen. Der schnelle Anstieg des Wasserstands habe ihn überrascht. Als er die Gefahr bemerkte, begann er, das Vieh zu rufen. Die Herde überquerte den Fluss, bevor die Strömung weiter zunahm.
Wäre er nur wenige Minuten später eingetroffen, hätten laut ihrem Besitzer rund zehn Tiere von der Flut mitgerissen werden können. Der Sender Rádio Difusora 97,3 bestätigt diese Darstellung: Die Entscheidung, zum Fluss zu fahren, sei ausschlaggebend gewesen, um ein Ertrinken des Viehs zu verhindern.
Nach Darstellung von Sou Agro standen die Tiere kurz davor, an einer gefährlichen Flusskurve eingeschlossen zu werden. Das Wasser sei dort mehr als zwei Meter tief gewesen, bei starker Strömung. Sichtlich erleichtert habe ihr Besitzer den Moment der Rettung mit den Worten „Oh, Halleluja! Gott sei Dank!“ kommentiert.
Behörden im Dauereinsatz
Die Stadtverwaltung von Lagoa Vermelha richtete wegen der Regenfälle eine ressortübergreifende Einsatzgruppe ein, um überlastete Regenwasserkanäle freizumachen und betroffene Familien zu unterstützen. Für den Mittwoch wurde der Unterricht an den Schulen im ländlichen Raum von Lagoa Vermelha ausgesetzt, weil Teile der Schulwege über Brücken und Landstraßen führen, die durch den gestiegenen Flusspegel gefährdet sein könnten.
Die Rinderhaltung zählt zu den traditionellen Wirtschaftszweigen von Rio Grande do Sul. Mit durchschnittlich rund 11,4 Millionen Tieren in den Jahren 2020 bis 2022 verfügte der Bundesstaat über den siebtgrößten Rinderbestand Brasiliens. Auch bei der Milchproduktion gehört Rio Grande do Sul mit rund zwölf Prozent der brasilianischen Gesamtmenge zu den führenden Bundesstaaten.
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