Ohne den Segen der Evangelischen Kirche kann offensichtlich kein Berliner Brautpaar den Segen Gottes für die Ehe erhalten. Der Weddinger Pastor Johannes Matutis traut es sich trotzdem, Nicht-Kirchenmitglieder im Gotteshaus zu trauen, und hat sich damit den Groll der Amtskirche zugezogen.Normalerweise ist eine Trauung in evangelischen, katholischen oder Freikirchen nur möglich, wenn mindestens ein Ehepartner der Kirche angehört. Pastor Matutis sieht das in seiner Neuen Nazarethkirche am Weddinger Leopoldplatz anders. Bei ihm kann sich jeder vermählen lassen. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg distanzierte sich deshalb gestern offiziell von Matutis. Weder er noch sein Gotteshaus gehörten zur Evangelischen Kirche und seine Gemeinde nicht dem Ökumenischen Rat an, heißt es in einer Erklärung. Deshalb, so folgert Reinhard Stawinski, der Sprecher der Evangelischen Kirche, seien seine Trauungen auch keine kirchlichen, sondern "wie auch immer geartete Zeremonien". Nicht mal die Berufsbezeichnung von Matutis läßt man ihm durchgehen. In Berlin gebe es Pfarrer, keine Pastoren. "Kompletter Unsinn", gibt der so Gescholtene zurück. Seine "Gemeinde Gottes" sei eine Freikirche, von der zwar in Berlin nur eine, bundesweit jedoch 70 existierten. Er leiste als "ordinierter Pastor Dienst am Menschen" und wer sich bei ihm trauen lasse, habe sich das reiflich überlegt. "Viele Leute wollen mit der Kirche als Institution nichts zu tun haben, oft auch aus steuerlichen Gründen", sagt Matutis. Ihr Glaube sei jedoch davon unberührt. Der in der Schweiz ausgebildete Theologe, der bereits Gemeinden in den USA, Stuttgart und Heilbronn leitete, hat in vergangenen Jahren schon vielen nicht der Kirche angehörenden Paaren seinen Segen gegeben. Rund 300 Mark kostet die Zeremonie - für Miete und Heizung der Kirche. +++
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