Zu "Eine Chance zur Läuterung" - das Gespräch mit Matthias Platzeck führte Andrea Beyerlein (11. Dezember):Das sich selbst Drittes Reich nennende Regime war eindeutig eine verbrecherische Diktatur, mit planmäßiger Vernichtung von Juden und sogenanntem unwerten Leben. Die DDR war zweifellos auch eine Diktatur, wenn auch nicht so mörderisch. Grundrechte von freier Meinungsäußerung bis zur Reisefreiheit gab es nicht, und es herrschte ein fürchterliches Bespitzelungssystem. Spätestens jetzt, 20 Jahre nach der Maueröffnung, wird es höchste Zeit, das "System DDR" aufzuarbeiten. In Westdeutschland ist es nach dem Zweiten Weltkrieg leider nicht geschehen, viele "Ehemalige" tauchten unter und fanden sich später in wichtigen Positionen wieder.Es darf doch nicht so sein wie jetzt in Celle: Über 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und erst nach dem Tod der Betroffenen sickerte durch, dass der ehemalige Hitler-Adjutant und späterer Kommandeur des berüchtigten SS-"Wiking"-Regiments jahrelang unbehelligt in Celle lebte. Nach dem Krieg und einer kurzen Gefangenschaft bei den Amerikanern tauchte er erst einmal ab, um dann von einem Kriegskameraden in sein Autohaus geholt zu werden. Jahre später machte der Oberkreisdirektor von Celle und "Ritterkreuzträger" ihn zum Chef des dortigen DRK. Seine Frau, die als Ärztin während des Krieges in Hamburg an Massenmorden an Kindern beteiligt war, wurde später sogar Chefärztin im Celler Krankenhaus. Jetzt, wo beide gestorben sind und die Geschichte ans Tageslicht kommt, gibt es nur Betroffene und natürlich wusste niemand davon.Es wird Zeit und es ist gut so, dass es nun endlich auch in Brandenburg eine Stasi-Beauftragte gibt. Vielleicht gelingt es auch, das gesamte "System DDR" durchschaubarer zu machen.Karl-Heinz Füllberg, Berlin
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