BERLIN. Der schwache private Konsum in Deutschland ist im ersten Quartal nach Ansicht von Bundesbank und Bundesfinanzministerium nicht dauerhaft in Fahrt gekommen. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte hätten sich zwar in den ersten drei Monaten des Jahres sichtlich belebt, wie die Bundesbank in ihrem Monatsbericht für Mai schrieb. Es hieß jedoch weiter: "Von einer nachhaltigen Wende in der privaten Konsumnachfrage kann aber noch nicht gesprochen werden." Vor allem der Arbeitsmarkt und die hohen Energiepreise bremsten die Entwicklung des privaten Verbrauchs. Auch die Experten des Finanzministeriums zeigten sich skeptisch, ob der Konsum zu Jahresbeginn kräftig angezogen ist.Noch kein BeschäftigungsaufbauDer Einzelhandel habe im ersten Quartal zwar 0,6 Prozent mehr umgesetzt als im Endquartal 2005. Allerdings habe sich die Dynamik von Januar bis März deutlich abgeschwächt und die Umsätze seien nicht über das Vorjahres-Niveau hinaus gekommen. Das Finanzministerium betonte, dass die Einzelhandelsumsätze oft kräftig revidiert würden. Auch die um fast zehn Prozent gestiegenen Einnahmen aus der Mehrwertsteuer seien kaum ein Beleg für eine Erholung der Binnennachfrage. Der Anstieg sei vielmehr durch eine schwache Vorjahreszahl bedingt. Zugleich warnte das Ministerium aber vor weiter steigenden Energiepreisen. "Risiken für die konjunkturelle Erholung in Deutschland sind in einer Fortsetzung der Energiepreiserhöhungen zu sehen, die die Kaufkraft der Verbraucher dämpfen".Das von der Gesellschaft für Konsumforschung errechnete Konsumklima hatte zuletzt eine steigende Bereitschaft der Verbraucher zu Anschaffungen langlebiger Güter wie Autos signalisiert. Auch die Bundesbank geht davon aus, dass der Verbrauch im Jahresverlauf anzieht: "Mit einer schrittweisen Besserung am Arbeitsmarkt könnte - wenn auch nur allmählich und langsam - die Konsumkonjunktur Fahrt aufnehmen." Bisher habe die positive Konjunktur den Arbeitsmarkt aber noch nicht erreicht. "Zwar hat sich die Einstellungsbereitschaft partiell gebessert, und der Entlastungsdruck ist zurückgegangen", zu einem Beschäftigungsaufbau sei es jedoch nicht gekommen.Die Erhöhung der Mehrwertsteuer wird nach Schätzungen der Bundesbank das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr um bis zu einem viertel Prozentpunkt erhöhen, dafür jedoch auch zu einem entsprechenden Nachfrageausfall im kommenden Jahr führen. "Im Ergebnis wird damit die Volatilität des Wachstumsprozesses verstärkt", schrieb die Bundesbank. Außerdem erschwere die Steuererhöhung durch die unterschiedlichen Effekte auf Export und inländische Nachfrage den Aufholprozess der Binnenkonjunktur."Ohne historische Parallele"Die Preisanhebung werde den Reallohn der Konsumenten verringern und die Konsummöglichkeiten der Haushalte reduzieren. Die Notenbank befürchtet, dass die Effekte im Gegensatz zu früheren, mäßigen Erhöhungen stärker ausfallen, weil das Ausmaß der geplanten Anhebung mit drei Prozentpunkten von 16 auf 19 Prozent "ohne historische Parallele" sei. Auch die frühzeitige Ankündigung sei außergewöhnlich. Die Bundesbanker empfehlen den Konsumenten, nicht alle Käufe vorzuziehen. "Sollte die Nachfrage nach bestimmten langlebigen Konsumgütern im Verlauf des Jahres 2006 merklich anziehen, so ist nicht auszuschließen, dass die Rabatte dann weniger großzügig gewährt werden", schreibt die Bank. 2007 sei der Käufer wieder in einer besseren Verhandlungsposition.Insgesamt beurteilen sowohl die Bundesbank als auch das Finanzministerium die Aussichten für die deutsche Konjunktur positiv. Trotz des starken Euro sei die Position der deutschen Firmen auf dem Weltmarkt nach wie vor gut, so dass die Unternehmen weiter von einer kräftigen Weltkonjunktur profitierten, betonte die Bundesbank. Die Wachstumspause Ende vergangenen Jahres sei überwunden. (BLZ)------------------------------Foto: Verlockende Angebote - aber die Kaufbereitschaft ist eher verhalten.
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