In Berlin und im übrigen Bundesgebiet gibt es derzeit nicht genügend Grippe-Impfstoff. "Bei uns rufen verzweifelt Ärzte an, die für ihre Patienten Impfstoff bestellen wollen", heißt es beispielsweise in der Apotheke am Zoo. "Wenn wir 50 Dosen bestellen, bekommen wir 20", berichtet Kai Hammer von der Blitz-Apotheke. "In vielen Apotheken ist der Grippe-Impfstoff ganz vergriffen", weiß ihr Kollege Wolf-Rüdiger Klesch von der Robert-Koch-Apotheke in Friedrichshain. "Es gibt Verzögerungen bei den Herstellern", bestätigt Michael Brinkert vom Pharma-Großhandel Gehe GmbH. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für das Bundesgesundheitsministerium die Impfstoffproduktion überwacht, bestätigt: Von der bundesweit geplanten Produktion von 20 Millionen fehlen derzeit 4 Millionen Impfdosen.Hysterische ZügeAls einen Grund nennen Berliner Apotheker und Ärzte das gestiegene Interesse der Berliner an einer Grippeschutzimpfung - offenkundig ausgelöst durch die Diskussion über die Vogelgrippe. "Teilweise hat das hysterische Züge", heißt es in den Praxen vieler Allgemeinärzte - zumal die normale Grippeschutzimpfung gegen die Erreger der Vogelgrippe nicht wirkt. In der Charlottenburger Praxis von Alexander Veith etwa ist die Nachfrage nach der Impfung um etwa ein Drittel gestiegen. Dort hat man wie in anderen Praxen zwar noch genug Impfdosen vorrätig, der Arzt kann aber bestätigen, dass das Serum knapp ist.Nach Aussagen der großen Impfstoffhersteller und des PEI, besteht jedoch kein Grund, jetzt die Praxen zu stürmen. Ab Ende Oktober werde es weiteren Impfstoff geben. Damit rechnet auch die Senatsgesundheitsverwaltung. Die derzeitige Knappheit erklärt Michael Pfleiderer vom PEI auch mit Produktionsschwierigkeiten.So kam es bei der Firma Chiron Vaccines, die Marktführer für Impfstoffe ist, und bei anderen großen Herstellern dazu, dass ein Virusstamm schlecht wuchs und teilweise fehlerhaft war. Der Sprecher der Firma verspricht aber, dass in diesem Jahr noch weiterer Impfstoff ausgeliefert wird. Allerdings kann aus dem Engpass ein Mangel werden, wenn die Impf-Nachfrage weiter steigen sollte. Eine Nachproduktion für 2005 ist nämlich nicht möglich. "Dazu ist der Produktionsprozess zu komplex. Er dauert Monate", heißt es bei Chiron Vaccines. In einigen Arztpraxen gibt man den vorhandenen Impfstoff vorrangig Risikopatienten.Wegen einer Verordnung des Bundesministeriums für Verbraucherschutz werden in den nächsten zwei Monaten in Geflügelbetrieben mit mehr als 100 Tieren von den Veterinärämtern Blutproben der Tiere genommen. In Berlin sind von den Kontrollen vor allem Zoo und Tierpark betroffen. Die Hühnerfarm Peter Schulz in Spandau, mit 500 Tieren die größte in Berlin, wird nicht kontrolliert, da Schulz seine Tiere schon seit einem Monat nicht mehr raus lässt.Vom Geflügelfleisch geht in Berlin keine Gefahr aus. Laut Gerhard Bischoff, einem der größten Berliner Geflügelgroßhändler, kommt das hier verzehrte Geflügel aus Deutschland, Holland, Belgien und Frankreich. Da die Türkei nicht zur EU gehört, sei Fleisch von dort schon wegen der Zölle viel zu teuer. Gleiches gilt für Rumänien. Dass illegal Hähnchenfleisch aus den betroffenen Ländern auf Berliner Tellern landet, hält Bischoff für ausgeschlossen. Auch Gudrun Möller vom Veterinäramt Mitte sagt, Betrug sei sehr selten, weil Geflügelbetriebe schon immer sehr streng kontrolliert werden. Wegen der Vogelgrippe würden die Kontrolleure jetzt noch stärker darauf achten, ob die Papiere des Fleisches stimmen. Dazu gehören ein Gesundheitsattest mit Siegel und Unterschrift, das nicht so einfach zu fälschen sei, sagt Möller.------------------------------Foto : Eingesperrt: Um jedes Risiko zu vermeiden, dürfen die Hühner der Hühnerfarm Peter Schulz in Spandau seit dem 15. September nicht mehr ins Freie. Mit 500 Hühnern ist die Geflügelfarm die größte in Berlin.
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