Hollywood zieht in den Krieg. Zwischen einem Dutzend Studiobossen und Mitarbeitern der Bush-Regierung gab es am vergangenen Mittwoch ein Geheimtreffen, bei dem erörtert wurde, wie die amerikanische Filmindustrie den Kampf gegen den Terrorismus unterstützen könne. An dem Treffen haben unter anderem Peter Roth vom Filmstudio Warner Bros, Vertreter des TV-Senders CBS und des Kabelkanals HBO sowie Bryce Zabel, der Vorsitzende der Television Academy of Arts and Sciences, teilgenommen. Organisiert wurde das Treffen von Anwälten und Regisseuren, die den Republikanern nahe stehen.Das Weiße Hauses plant, eine "Arts and Entertainment Task Force" zu bilden. Wer der "Task Force" vorstehen soll, ist noch nicht bekannt. Bei der Initiative soll es zum einem darum gehen, der ganzen Welt plausibel zu vermitteln, dass und warum Amerika gegen Terroristen kämpft. Es wurde jedoch auch darüber diskutiert, Kurzfilme für das Fernsehen zu produzieren, die etwa über die Gefahr von Milzbrand aufklären sollen. Gerüchte über eine Zusammenarbeit zwischen amerikanischen Regierungsbehörden, der U.S.-Army und der Film- und TV-Industrie hatten schon zuvor die Runde gemacht. Im Weißen Haus will man jedoch den Eindruck vermeiden, man wolle Hollywood ins Propagandafach drängen. Was diese Rücksichtnahme angeht, so stehen Amerikas Filmemacher bereits selbst in der ersten Reihe - die Studiobosse beschweren sich eher darüber, dass die US-Regierung zu langsam sei. "Wir sind bereit zu Action", äußerte einer der Teilnehmer an dem Treffen gegenüber dem Branchenblatt "Variety". "Wir sind Show Business, wir sind schneller. Wir sind denen weit voraus." Und ein anderer meinte: "Wann sagen sie uns denn endlich, wie wir helhelfen können. Nicht immer gestaltete sich das Verhältnis zwischen Hollywood und den Republikanern so innig. Während des Wahlkampfs waren die Bush-Leute angetreten, um im Namen der angeblichen moralischen Mehrheit im Lande gegen "Sex & Crime in Tinseltown" vorzugehen. Was auch kein Wunder war, haben doch die Hollywood-Studios (Murdoch s 20th Century Fox ausgenommen) die U.S.-Demokraten deutlich mehr im Wahlkampf unterstützt als die Republikaner, vor allem die viel gehasste Hillary Clinton. Zudem hatte Hollywood in der Clinton-Ära immer wieder Filme produziert, in denen die Politik als schmutziges Geschäft dargestellt wurde - wie die Satire "Wag The Dog". Das scheint nun vergessen. Seit dem 11. September herrscht der Eindruck vor, dass Politik und Showbiz weitgehend miteinander verschmolzen sind - und dies nicht nur wegen solcher Treffen. Nicht nur, dass der Anschlag auf das World Trade Center wie ein Ausschnitt aus "Independence Day" wirkte - auch die Flutlichter, die die Helfer für ihre Aufräumungsarbeiten nutzen, wurden von einem New Yorker Filmstudio ausgeliehen.Hollywood steht, was Weltkriegsfilme angeht, ohnehin schon seit längerem in den Startlöchern: Filme der letzten Jahre wie "Saving Privat Ryan", "Pearl Harbor" und "Enemy at the Gates" waren weltweit Kassenerfolge (auch wenn sie in Deutschland floppten). Nun sollen sogar Wiederaufführungen erfolgreicher Dramen an die neue Realität angepasst werden. Im Fall von "E.T.", der im März noch einmal in die Kinos kommt, soll eine Anspielung herausgeschnitten werden, wonach jemand wie ein arabischer Terrorist aussehe. - Was Kriegspropaganda angeht, so hat Hollywood bereits Erfahrung: Im Zweiten Weltkrieg wurden die Studiobosse ebenfalls ins Weiße Haus bestellt, zunächst, um vor "feindlichen Agenten" (sprich: deutschen Flüchtlingen) gewarnt zu werden. Des Weiteren wurden bewusst Filme produziert, die die Armee in günstigem Licht dastehen ließen oder den Krieg als Heldendrama zeigten, etwa "Wake Island" und "Torpedo Boat". Ein Film ("Call Out the Marines") wurde damals sogar zurückgezogen, weil in ihm ein paar Witze über Soldaten gemacht wurden. Bei anderen Filmen wurde der Titel geändert.Wer sich in der Filmindustrie eher als Außenseiter sieht, hält das Mainstream-Hollywood jedoch nicht für den Helfer, sondern einen Täter. So sagte der Regisseur Robert Altman diese Woche, dass Hollywood-Filme die Ideen in die Welt gesetzt hätten, nach denen Terroristen ihre Attacken geplant haben. "Niemand würde sonst auf den Gedanken kommen, eine solche Orgie der Zerstörung anzurichten." Vielleicht sollte man besser wieder Filme für Erwachsene drehen.Schon im II. Weltkrieg wurde Hollywood ins Weiße Haus bestellt.
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