Als Vertreter des Jahrgangs 1935 kann ich dem Grundtenor des Textes nicht zustimmen. Im Gegensatz zu den Verhältnissen in der alten Bundesrepublik bis Ende der 1960er-Jahre wurde in der DDR der Holocaust weder aus dem Schulunterricht noch in Literatur, Theater, Kino, Rundfunk und Fernsehen "ausgeblendet". Die industriell organisierte Ermordung von Millionen Juden, der Holocaust, war jedoch nicht, wie der Rezensent schreibt, das Schandwerk "normaler Deutscher - von Bürokraten und seelenlosen Vollstreckern". Dies geschah vielmehr nach ausgeklügelten teuflischen Plänen (Wannseekonferenz 1942) und auf Befehl der verbrecherischen Politikerkaste der Nazis, die im deutschen Monopolkapital die entscheidenden wirtschaftlichen Stützen und Nutznießer besaß. Dabei nahm die große Mehrheit des deutschen Volkes diese und andere Kapitalverbrechen von NS-Führern, Nazibeamten, SS-Schergen und Wehrmachtsangehörigen widerstandslos hin. Dies betraf nicht nur den Holocaust an den Juden, sondern auch den systematisch betriebenen Massenmord an Sinti und Roma sowie an Millionen von Menschen, die - als "Untermenschen" deklassiert - der nichtjüdischen slawischen Bevölkerung in der damaligen UdSSR, Tschechoslowakei, Jugoslawien und in Polen angehörten. Damit hat sich das deutsche Volk eine einmalig große Schuldenlast aufgeladen.Die heutigen Neonazis in Ostdeutschland, zu deren Gesinnung auch Antisemitismus gehört, sind größtenteils nicht mehr durch die "DDR-Schule" gegangen. Ihre älteren "Führer", Chefideologen und Geldgeber stammen übrigens überwiegend aus dem Süden und Westen Deutschlands.Konrad Scherf, Belzig
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