Holt uns hier raus!

Matti Lieske
3 Min

Gespenstische Kulissen, lausige Fußballspiele, triste Perspektiven: So wie am Donnerstag beim Uefa-Cup-Qualifikationsspiel zwischen Ameri Tiflis und Hertha BSC sieht im Juli und August, wenn die diversen langwierigen Qualifikationsrunden zu den europäischen Wettbewerben laufen, die Realität sehr vieler Fußballklubs des Kontinents aus, die beim besten Willen nicht zur Hautevolee des Kickerwesens gezählt werden können. Wer trotzdem irgendwie einen Fuß in den Europacup bekommen hat, der muss sich nun über die Dörfer quälen. Und wenn er großes Pech hat, kommt die ganze vermaledeite Chose auch noch im Fernsehen. So war auf Eurosport peinlicherweise in rund 50 Ländern zu begutachten, welch unattraktiven Fußball der Berliner Bundesligist zu bieten vermag. Die lethargische und interessenlose Vorstellung der Hertha-Profis schrie förmlich: Holt uns hier raus! Doch sie reichte zu einem 2:2, das Elend geht also weiter. Der nächste Gegner ist Odense BK, bei einem Erfolg gegen die Dänen wäre die Gruppenphase erreicht. Puuh!Der Uefa-Cup ist vor allem in seiner langen Anlaufphase eine echte Ochsentour, mit einer Vielzahl obskurer Begegnungen interessant hauptsächlich für Wettwütige und gelegentlich auch solche, die dem Wettglück gern ein wenig nachhelfen. Strafverschärfend wirkt, wenn man, wie Hertha, auch noch den Umweg über den UI-Cup nehmen muss und, leicht übertrieben gesagt, in irgendwelchen leeren Provinzarenen kickt, während andere noch WM spielen. Für die Vereine gibt es im Uefa-Cup kaum etwas zu verdienen, die Fernsehsummen sind nicht der Rede wert. Präsenz zeigen sei wichtig, sagte Hertha-Manager Dieter Hoeneß vor der Partie in Tiflis, allerdings hatte er sich die Sache wohl etwas anders vorgestellt. Imagepflege war es jedenfalls nicht, was da über die Mattscheibe flimmerte, zumal das georgische Fernsehen auch noch einen der Hertha-Treffer unterschlug.Mit der Qualifikation für die 1. Runde des Uefa-Cups sei das Saisonziel nun endlich erreicht, schwärmte Dieter Hoeneß am Freitag nach der Rückkehr. Er meinte das Ziel der vergangenen Saison. Für diese Spielzeit haben sich die Berliner erheblich mehr vorgenommen. Ein Uefa-Cup-Platz schon am 34. Spieltag wäre toll. Ob an mehr zu denken ist, wird zum Beispiel das Spiel am Sonntag beim schwer beneideten Champions-League-Teilnehmer Hamburger SV zeigen.------------------------------BERLINS GEGNER IM UEFA-CUPMit Odense BK hat Hertha BSC in der 1. Runde des Uefa-Cups einen der ältesten dänischen Vereine zum Gegner. Der Boldklub (BK) wurde 1887 gegründet. Drei Mal wurde Odense dänischer Meister, vier Mal Pokalsieger. Wie Hertha hat auch Odense den Umweg über UI-Cup und Uefa-Cup-Qualifikation genommen.Den größten internationalen Erfolg feierte der Verein 1995. Als Qualifikant in den Uefa-Cup gestartet, scheiterten die Dänen erst im Viertelfinale am späteren Pokalsieger AC Parma. Zuvor hatten sie in Runde zwei Kaiserslautern, im Achtelfinale Real Madrid ausgeschaltet.

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