Arbeitsmarkt

Warum der Osten seltener im Homeoffice arbeitet als der Westen

Im Osten wird seltener im Homeoffice gearbeitet als im Westen, in Sachsen-Anhalt zuletzt so selten wie nirgends sonst – dafür könnte es vor allem einen Grund geben.

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Der Osten arbeitet seltener im Homeoffice als der Westen. Das könnte besonders mit der Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland zusammenhängen.

Der Osten arbeitet seltener im Homeoffice als der Westen. Das könnte besonders mit der Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland zusammenhängen.

© Christin Klose/dpa-tmn

In Sachsen-Anhalt arbeitet nur etwa jeder achte Beschäftigte zumindest zeitweise von zu Hause aus. In ganz Ostdeutschland ist die Arbeit vor Ort weiterhin der Normalfall, Homeoffice ist vor allem im Westen und in Berlin verbreitet. Bei Mischmodellen holt der Osten allerdings langsam auf.

Die meisten Beschäftigten in Sachsen-Anhalt arbeiten im Betrieb, in der Werkhalle, auf der Baustelle oder in der Praxis. Nach ersten Ergebnissen des Mikrozensus waren im vergangenen Jahr rund 107.000 Beschäftigte zumindest zeitweise im Homeoffice tätig, gut zwölf Prozent. Das teilte das Statistische Landesamt am Montag mit. Frauen nutzten diese Möglichkeit häufiger als Männer.

Im letzten Vergleich aller Bundesländer für das Jahr 2024 hatte kein anderes Land einen so niedrigen Anteil wie Sachsen-Anhalt. Auch die anderen ostdeutschen Länder blieben ausnahmslos unter dem Bundesdurchschnitt. In Westdeutschland arbeiten Beschäftigte im Schnitt deutlich häufiger von zu Hause aus. Am höchsten ist der Anteil in Berlin, wo fast jeder dritte Beschäftigte zumindest teilweise von zu Hause aus arbeitet.

Werkbank statt Küchentisch

Ob Homeoffice möglich ist, hängt vor allem von der Arbeit selbst ab. Wer Maschinen bedient, Häuser baut oder Patienten pflegt, kann nicht von zu Hause aus arbeiten. Nach einer Erhebung des Ifo-Instituts arbeiten außerdem Beschäftigte großer Unternehmen deutlich häufiger von zu Hause aus als Beschäftigte kleiner Betriebe. Das könnte erklären, warum die Quote im Osten niedriger ist.

Auffällig ist die Entwicklung seit der Pandemie. Bundesweit und vor allem in Berlin ist der Anteil seit 2021 gesunken. In den ostdeutschen Ländern ist er dagegen leicht gestiegen. Das liegt vor allem an Beschäftigten, die an ein oder zwei Tagen pro Woche von zu Hause aus arbeiten. Komplett im Homeoffice arbeiten inzwischen nur noch wenige.

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Offen, wo es passt

Grundsätzlich abgelehnt wird Homeoffice im Land nicht. Der Präsident des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbandes, Marco Langhof, hatte sich in der Vergangenheit gegen eine staatliche Homeoffice-Pflicht ausgesprochen. Darüber sollten aus seiner Sicht die Betriebe selbst entscheiden. Im März, als die Spritpreise stark gestiegen waren, zeigte er sich jedoch offen für mehr Homeoffice, um Beschäftigte bei den Fahrtkosten zu entlasten. Auch DGB-Landeschefin Katrin Skirlo unterstützte den Vorstoß, wie der MDR berichtete.

Das Thema bleibt aktuell. Ein Liter Benzin oder Diesel kostet nach Angaben des ADAC im bundesweiten Schnitt inzwischen mehr als zwei Euro. Gleichzeitig pendeln in Sachsen-Anhalt viele Menschen: Mehr als 570.000 Beschäftigte fahren zur Arbeit in einen anderen Ort, rund 165.000 von ihnen sogar über die Landesgrenze. Wer von zu Hause arbeiten kann, spart sich zumindest an manchen Tagen den Weg. Für viele Beschäftigte im Land bleibt das allerdings ohne praktische Bedeutung, weil sich ihre Arbeit nicht von zu Hause erledigen lässt.

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