Im Garten wucherte das Unkraut, vor dem Haus stapelte sich der Müll. Irgendwann kam der Gestank dazu, und die Nachbarn riefen die Polizei.
Als Beamte der katalanischen Polizei Mossos d'Esquadra am Mittwoch das Haus in Cabrera d'Anoia betraten, fanden sie die stark verweste Leiche eines 77-jährigen Arztes. Seine Ehefrau (59) und die gemeinsame Tochter (22) hatten nach eigenen Angaben rund zwei Jahre mit dem Toten unter einem Dach gelebt.
Zuerst hatte die spanische Zeitung El País über den Fall berichtet. Die Mossos bestätigten ihn auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Leichenfund bei Barcelona: Tod liegt rund zwei Jahre zurück
Cabrera d'Anoia ist eine Gemeinde mit rund 1800 Einwohnern, etwa 50 Kilometer nordwestlich von Barcelona. Der Tote, Albert S., hatte laut spanischen Medien viele Jahre eine Praxis in Barcelona.
Zuletzt lebte er mit Frau und Tochter in einer Wohnsiedlung am Ortsrand. Gemeldet wurde sein Tod nie.
Witwe: Mann starb 2024 auf dem Sofa
Die Witwe gab gegenüber den Ermittlern an, ihr Mann sei 2024 im Sitzen auf dem Sofa gestorben. Mutter und Tochter hätten ihn danach mit einer Decke zugedeckt, schreibt die Zeitung.
Warum sie niemanden verständigten, schilderte der amtierende Bürgermeister Salustià Monteagudo dem katalanischen Portal El Caso. Beide Frauen hätten der Polizei gesagt, sie hätten nicht gewusst, was zu tun sei und wen sie benachrichtigen sollten.
Homöopath soll Medikamente abgesetzt haben
Nach Darstellung des Bürgermeisters sei der Mann eines natürlichen Todes gestorben, nachdem er seine Medikamente abgesetzt habe. Welche Krankheit er hatte, ist nicht bekannt.
Der Werdegang des Toten macht diese Angabe besonders brisant. Er schloss 1979 sein Medizinstudium an der Universität Barcelona ab und bildete sich danach vier Jahre in der Homöopathie-Abteilung eines Barceloner Krankenhauses weiter.
Über Jahrzehnte war er in Katalonien als Homöopath bekannt. Ob der Verzicht auf Medikamente mit dieser Überzeugung zu tun hatte, ist offen.
Nachbarn meldeten Müll und Gestank
Aufgeflogen ist der Fall, weil Nachbarn und die Gemeindeverwaltung Alarm schlugen. Aufgefallen war ihnen auch, dass im Haus kaum noch Wasser verbraucht wurde, berichtet der Sender Telecinco. Das Auto vor dem Haus soll seit Langem offen gestanden haben.
Als die Beamten klingelten, öffnete die Frau selbst. Weil das Haus derart verwahrlost war, gingen die Polizisten hinein und fanden den Toten.
Seit Corona kaum aus dem Haus
Mutter und Tochter hatten das Haus nach Angaben der Familie seit Beginn der Corona-Pandemie kaum noch verlassen. Laut der Zeitung bestellten sie Lebensmittel online und holten die Pakete nachts vor der Tür ab.
Beide Frauen kamen nach dem Fund in ein Krankenhaus, wo sie medizinisch und psychologisch betreut werden.
Kein Verbrechen erkennbar: Autopsie soll Todesursache klären
Die Leiche weist nach bisherigen Erkenntnissen keine äußeren Spuren von Gewalt auf. Die Ermittler gehen von einem natürlichen Tod aus, Festnahmen gab es nicht. Die Autopsie soll Todesursache und Todeszeitpunkt klären.
Die Ermittlungseinheit der Mossos in Igualada prüft nach Angaben des Portals auch, warum der Tod nie gemeldet wurde. Dafür sehen sich die Beamten Unterlagen und Behördenvorgänge der vergangenen Jahre an.
Ob Mutter und Tochter strafrechtlich belangt werden, entscheidet das Gericht in Igualada. Im Raum stehen allenfalls die Schändung eines Leichnams oder unterlassene Hilfeleistung. Beschuldigte sind die beiden Frauen derzeit nicht.
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