Wir waren am FKK-Strand. Irgendwann setzte sich Anais auf meinen Bauch und wollte "Hoppa, Hoppa Reiter" spielen. Ich zögerte einen Moment. Ich dachte, dass es vielleicht seltsam aussehen könnte, wenn ein nacktes Mädchen auf einem nackten Mann reitet. Selbst wenn der Mann ihr Vater ist. Ich sagte, dass ich noch einen vollen Bauch vom Essen habe, dass wir "Hoppa, Hoppa Reiter" machen, wenn wir zu Hause sind. Anais quengelte. Sie verstand nicht, was ich habe. Wir hatten doch noch gar nicht gegessen. Wir hatten Zeit. Ich lag gerade auf dem Rücken. Es waren beste "Hoppa, Hoppa Reiter"-Bedingungen.Meine kleine Tochter Nadja fand das auch. Sie kann noch nicht sprechen. Aber "Hoppa, Hoppa" kann sie schon sagen. Jetzt saßen beide auf meinem Bauch. Eine ältere Frau, zwei Handtücher weiter, blickte zu uns herüber.Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Catherine war gerade baden. Gleich würde die Frau zwei Handtücher weiter ihr Handy rausholen und die Polizei rufen. Sie würden mich abführen. Nackt. Ich würde sagen, dass wir nur gespielt haben. Alle würden mich angucken, wie man Schweine wie mich eben anguckt. Die Frau zwei Handtücher weiter würde sagen, dass sie alles gesehen hat. Ich machte die Andeutung einer "Hoppa, Hoppa"-Bewegung, ließ die beiden von meinem Bauch abstürzen und sprang schnell auf. Anais und Nadja lachten. Dann schrien beide "Hoppa, Hoppa". Sie wollten noch mal. Ich sagte, dass wir jetzt baden gehen, dass vielleicht ein Eis-Wagen vorbeikommt. Die Kinder schrien "Eis" und rannten los. Die Frau zwei Handtücher weiter las wieder in ihrem Buch.Ich komme jetzt häufiger in solche Situationen. Neulich waren wir bei Freunden. Anais kletterte auf meinen Schoss, gab mir einen Kuss auf den Mund und sagte, dass sie mich liebt und dass ich der stärkste Papa auf der Welt bin. Die anderen lachten. Ich versuchte mitzulachen.Ich komme mir verklemmt vor. Ich weiß nicht, was geht und was nicht. Was man machen darf und was man besser sein lassen sollte. In meinem Erziehungsbuch steht, dass Mädchen sich irgendwann in ihren Vater verlieben, dass sie sogar versuchen, die Mutter wegzudrängen.Ich erinnere mich daran, dass ich mal meine Mutter heiraten wollte. Ich kannte damals keine anderen Frauen, insofern machte der Plan Sinn. In der ersten Klasse habe ich dann Peggy Sadzinsky getroffen. Sie hatte lange Haare und roch nach Veilchen. Einmal durfte ich bei ihr übernachten. Wir haben Schneewittchen gespielt und ich habe ihr das Leben gerettet. Danach war meine Mutter aus dem Rennen.Ich weiß nicht, wie es mit Anais und Nadja wird. Vielleicht sollte ich sie schon zeitig bei Jungs übernachten lassen. Oder ich versuche, besonders unangenehm zu ihnen zu sein. Keine Ahnung, ob es helfen wird. Es sind Mädchen, sie sind unberechenbar. Ich wüsste gern, ob Peggy Sadzinsky irgendwann in ihren Vater verliebt war.Nächste Woche: Single von Jochen-Martin Gutsch
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