Energiemarkt

Hormus-Blockade treibt LNG-Preise in Europa und Asien nach oben

Während die Referenzpreise für Flüssiggas in Europa und Asien binnen Wochen um mehr als ein Drittel gestiegen sind, ist der maßgebliche Gaspreis in den USA gefallen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Der Hafen Ras Laffan in Katar ist ein zentraler Standort für den weltweiten LNG-Handel.

Der Hafen Ras Laffan in Katar ist ein zentraler Standort für den weltweiten LNG-Handel.

© Thomas Koehler/imago

Die Preise für verflüssigtes Erdgas (LNG) sind in Europa und Asien stark gestiegen. Wie die US-Energiebehörde EIA am heutigen Dienstag mitteilte, stiegen die Preise der Terminkontrakte für die europäische Referenzmarke TTF – also Verträge für spätere Gaslieferungen – in der Woche bis zum 24. April um 35 Prozent. Der Preis des Terminkontrakts für Flüssiggaslieferungen nach Asien im nächsten Liefermonat stieg laut EIA um 51 Prozent. Der maßgebliche Gaspreis in den USA sank dagegen um neun Prozent.

In den USA sank der Gaspreis laut EIA gegen den internationalen Trend, weil die USA kurzfristig nur begrenzt zusätzliches Flüssiggas exportieren konnten. Die US-Speicher waren gut gefüllt, die Exportterminals liefen im März bereits zu 94 Prozent ihrer genehmigten Kapazität. Dadurch blieb mehr US-Gas im Inland, während Europa und Asien um knappere LNG-Ladungen konkurrierten.

Schließung der Straße von Hormus verknappt das Angebot

Hintergrund ist die faktische Schließung der Straße von Hormus seit Anfang März im Zuge des Iran-Kriegs. Über die Meerenge laufen normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels. Auch Düngemittel und Pharmazeutika werden über diese Route transportiert.

Die globale LNG-Produktion sei im März im Jahresvergleich um acht Prozent gefallen, die Lieferungen aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten seien um 9,5 Milliarden Kubikmeter zurückgegangen, berichtete die IEA in ihrem Quartalsbericht.

Die Öl- und Gasinfrastruktur der Golfstaaten gilt in regionalen Krisen als besonders verwundbar. Angriffe auf Raffinerien, Gasfelder, Häfen oder Exportanlagen, wie sie der Iran gegen US-Verbündete am Golf führte, können drastische Folgen für Energiepreise und Lieferketten haben.

Speicherziel der EU in Gefahr

Für Europa hat das laut der EU-Energieregulierungsbehörde ACER spürbare Folgen. Die EU werde die vorgeschriebene Speicherbefüllung von 90 Prozent vor dem nächsten Winter voraussichtlich verfehlen, teilte ACER nach einer Reuters-Meldung vom 23. April mit.

Eine Befüllung auf 90 Prozent würde laut ACER eine um 13 Prozent höhere LNG-Einfuhr als 2025 erfordern. Die europäischen Speicher seien derzeit zu 31 Prozent gefüllt, der niedrigste Stand für diese Jahreszeit seit 2022. Die europäischen Gaspreise seien infolge der Verwerfungen um rund 40 Prozent gestiegen, da europäische Käufer mit asiatischen um flexible LNG-Ladungen konkurrieren müssten.

Eni hebt Preisannahmen an

Der italienische Energiekonzern Eni geht davon aus, dass der Markt die Folgen unterschätzt. Finanzchef Francesco Gattei sagte laut Reuters, die Krise werde länger und stärker wirken als vom Markt eingepreist. Eni hob die eigene Preisannahme für 2026 für Brent-Rohöl auf 83 Dollar je Barrel und für TTF-Gas auf 50 Euro je Megawattstunde an.

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Mittelfristig dürfte sich der Effekt fortsetzen. Nach Einschätzung der IEA verzögert die Beschädigung der katarischen Verflüssigungsanlagen den erwarteten weltweiten Ausbau der LNG-Kapazitäten um mindestens zwei Jahre. Die von iranischen Angriffen getroffenen Anlagen in Ras Laffan gehören zu Katars wichtigsten Standorten für Verarbeitung und Export von Flüssiggas. Zwischen 2026 und 2030 könnten laut IEA kumuliert rund 120 Milliarden Kubikmeter LNG-Lieferungen ausfallen.

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