Nahost

Trump stoppt Hormus-Einsatz überraschend: Hoffnung auf Iran-Deal drückt Ölpreis

Donald Trump setzt den erst am Montag gestarteten US-Einsatz in der Straße von Hormus überraschend aus. Der Präsident spricht von Fortschritten bei Gesprächen mit dem Iran.

5 Min
US-Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump

© Evan Vucci/dpa

Die USA setzen ihre neue Militärmission in der Straße von Hormus überraschend wieder aus. US-Präsident Donald Trump erklärte am Dienstagabend (Ortszeit), das sogenannte „Project Freedom“ werde „für kurze Zeit“ pausiert, um Raum für diplomatische Fortschritte mit dem Iran zu schaffen. 

„Wir haben uns gegenseitig darauf verständigt, dass das Projekt Freiheit für kurze Zeit pausiert wird, um zu sehen, ob das Abkommen finalisiert und unterzeichnet werden kann“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Zugleich betonte er, die amerikanische Blockade gegen iranische Häfen bleibe bestehen.

Die Ankündigung kam unerwartet: Wenige Stunden zuvor hatten US-Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth den am Montag gestarteten Einsatz noch öffentlich verteidigt. Rubio erklärte, die Offensive „Gewaltiger Zorn“ („Epic Fury“), die die USA gemeinsam mit Israel Ende Februar gegen den Iran begonnen hatten, sei abgeschlossen. „Wir hoffen nicht, dass eine weitere Situation eintritt“, sagte Rubio im Weißen Haus laut Reuters.

An den Ölmärkten reagierten die Preise umgehend: Die US-Rohölterminkontrakte fielen nach Trumps Mitteilung um 2,30 US-Dollar und sanken unter die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel – eine viel beachtete Schwelle, seit der Konflikt vor zwei Monaten die Energiepreise in die Höhe getrieben hatte.

Iran setzt auf eigenes Genehmigungsverfahren

Die Straße von Hormus, durch die etwa 20 Prozent der weltweiten Ölversorgung transportiert werden, ist seit Kriegsbeginn faktisch geschlossen. Der Iran hatte die Meerenge mit der Drohung von Minen, Drohnen, Raketen und Schnellbooten blockiert. Die USA reagierten mit einer Blockade iranischer Häfen und mit eskortierten Transitfahrten für Handelsschiffe. Nach US-Militärangaben wurden am Montag mehrere iranische Kleinboote sowie Marschflugkörper und Drohnen zerstört.

Teheran wiederum besteht darauf, den Verkehr in der Meerenge selbst zu kontrollieren. Wie der staatliche Sender Press TV berichtete, sollen Schiffsbetreiber künftig per E-Mail die Vorschriften für die Durchfahrt erhalten und eine Genehmigung der iranischen „Persian Gulf Strait Authority“ benötigen. Wie die Regeln im Detail aussehen und wie der Iran auf Verstöße reagiert, blieb zunächst offen. Die Revolutionsgarden hatten am Dienstag eine „entschlossene Reaktion“ angekündigt, sollten Schiffe nicht genehmigte Routen nutzen.

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Der iranische Parlamentspräsident und Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf zeigte sich kämpferisch. „Wir wissen genau, dass die Fortsetzung des Status quo für Amerika untragbar ist, während wir gerade erst angefangen haben“, schrieb er auf X.

UN-Resolutionsentwurf und neue Vorwürfe gegen Teheran

Parallel arbeiten die USA mit verbündeten Golfstaaten – Bahrain, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar – an einer UN-Resolution. Diese fordert den Iran laut Rubio auf, Angriffe auf Schiffe zu unterlassen, die Meerenge nicht zu verminen und keine Mautgebühren für die Durchfahrt zu erheben.

Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten am Dienstag den zweiten Tag in Folge Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran. Das emiratische Außenministerium bezeichnete die Angriffe als „ernste Eskalation“ und behielt sich „das volle und legitime Recht“ auf eine Antwort vor. Iran wies die Vorwürfe zurück: Sein zentrales Hauptquartier Chatam al-Anbija erklärte laut staatlichem Rundfunk, es seien keinerlei Raketen oder Drohnen auf Ziele in den Emiraten abgefeuert worden. Gleichzeitig drohte der Militärsprecher mit Vergeltung, sollten Angriffe vom Boden der VAE aus erfolgen.

Während Rubio sprach, meldete die britische Behörde Maritime Trade Operations zudem, dass ein Frachtschiff in der Meerenge von einem Geschoss getroffen worden sei. Weitere Details lagen zunächst nicht vor.

Pakistan vermittelt – Araghtschi reist nach Peking

Vermittler zwischen Washington und Teheran ist Pakistan. Eine erste Verhandlungsrunde am 11. April in Islamabad blieb ohne Ergebnis, eine weitere geplante Runde platzte. Streitpunkt ist insbesondere der Umgang mit dem iranischen Atomprogramm: Nach US-Angaben hat Iran mehr als 900 Pfund hochangereichertes Uran nicht herausgegeben. Teheran beruft sich auf sein Recht zur friedlichen Nutzung von Atomtechnologie als Vertragspartei des Atomwaffensperrvertrags.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi traf am Mittwochmorgen in Peking seinen chinesischen Amtskollegen Wang Yi, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Worüber die beiden Minister sprachen, wurde zunächst nicht bekannt. Der Iran-Krieg dürfte jedoch ein zentrales Thema gewesen sein. China gilt als größter Abnehmer iranischen Öls und hat das Vorgehen der USA mehrfach kritisiert. Das Treffen fand gut eine Woche vor einem für diesen Monat angekündigten China-Besuch Trumps statt, den Peking bislang nicht bestätigt hat.

Laut Rubio sind unter den Toten des Konflikts auch zehn zivile Seeleute. Besatzungen festsitzender Schiffe in der Meerenge seien „am Verhungern“ und „isoliert“. Der Internationale Währungsfonds erklärte am Dienstag, selbst bei einem sofortigen Ende des Krieges würde es drei bis vier Monate dauern, dessen Folgen zu bewältigen.

US-Generalstabschef Dan Caine sagte, iranische Angriffe gegen US-Streitkräfte lägen derzeit „unter der Schwelle für eine Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen“. Auf die Frage, was Iran tun müsse, um die Waffenruhe zu brechen, antwortete Trump: „Sie wissen, was sie nicht tun dürfen.“

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