Bei Kundgebungen zum Tag der Arbeit kam es in Istanbul zu Festnahmen und Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Die Anwaltsvereinigung Çağdaş Hukukçular Derneği (ÇHD) sprach gegenüber dem Sender Euronews von rund 400 Festnahmen in der Bosporus-Metropole. Die oppositionelle Website Bir Gün meldete laut der Nachrichtenagentur AFP mindestens 57 Festnahmen.
Die Polizei setzte nach Beobachtungen von AFP-Reportern Tränengas ein, insbesondere in den Stadtteilen Mecidiyeköy und Beşiktaş auf der europäischen Seite der Stadt. Demonstrationsgruppen hatten versucht, zum symbolträchtigen Taksim-Platz zu ziehen, der bereits in der Nacht vollständig abgesperrt worden war. Augenzeugen berichteten Euronews zufolge, dass mehrere Demonstranten zu Boden geworfen wurden.
Oppositionssender zeigt Chef der Türkischen Arbeiterpartei in Pfefferspraywolke
In Mecidiyeköy versammelten sich nach AFP-Angaben Aktivisten einer marxistisch-leninistischen Partei, die Parolen wie „USA Mörder, AKP Komplize“ riefen. Die AKP ist die Regierungspartei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Bilder des Oppositionssenders HALK TV zeigten den Vorsitzenden der Türkischen Arbeiterpartei, Erkan Baş, in einer Pfefferspraywolke. „Die Machthabenden sprechen ohnehin 365 Tage im Jahr, also lasst die Arbeiter wenigstens an einem Tag im Jahr über ihre Nöte reden“, sagte er laut Euronews.
Der Gewerkschafter Başaran Aksu wurde nach Angaben von Euronews festgenommen, kurz nachdem er die Sperrung des Taksim-Platzes kritisiert hatte. „Man kann einen Platz nicht für die Arbeiter der Türkei schließen“, sagte er demnach.
Inflation in der Türkei bei offiziell bei 30 Prozent
Bereits seit Wochenbeginn waren laut AFP mehrere Dutzend Menschen festgenommen worden, darunter Journalisten und Oppositionelle. Die Zeitung Cumhuriyet berichtete unter Berufung auf die ÇHD, von 47 bei Hausdurchsuchungen am 28. April Festgenommenen seien 23 mit dem Antrag auf Untersuchungshaft einem Friedensrichter vorgeführt worden.
Aufgerufen zu den Kundgebungen unter dem Motto „Brot. Frieden. Freiheit." hatten Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Verbände - – ein Slogan, der unmittelbar auf die Kaufkraftverluste der Arbeitnehmer und die hohen Lebenshaltungskosten verweist. Die offizielle Inflationsrate in der Türkei liegt laut Euronews bei 30 Prozent, unabhängige Schätzungen gehen von rund 40 Prozent aus.
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