Hurrikan Polo hat sich vor der mexikanischen Pazifikküste binnen kürzester Zeit zu einem Sturm der höchsten Kategorie entwickelt. Am Dienstag erreichte der Wirbelsturm auf der fünfstufigen Saffir-Simpson-Skala Kategorie 5. Das US-Hurrikanzentrum NHC stufte Polo mit anhaltenden Windgeschwindigkeiten von rund 266 Kilometern pro Stunde als „extrem gefährlich“ ein.
Noch am späten Sonntag war Polo lediglich ein Tropensturm mit Windgeschwindigkeiten von rund 65 Kilometern pro Stunde. Innerhalb von etwa 36 Stunden wuchsen die Windgeschwindigkeiten auf mehr als 250 Kilometer pro Stunde an. Vorläufigen Berechnungen zufolge könnte damit ein Rekord für den schnellsten Aufstieg eines Tropensturms zur Kategorie 5 im östlichen Pazifik gefallen sein.
Ob tatsächlich ein neuer Rekord vorliegt, dürfte allerdings erst die spätere meteorologische Auswertung endgültig klären.
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Polo zieht nur langsam vor Mexikos Küste entlang
Am Dienstag befand sich das Zentrum des Hurrikans rund 330 Kilometer südlich des Urlaubsortes Zihuatanejo. Polo bewegte sich mit nur wenigen Kilometern pro Stunde und sollte nach Prognosen des NHC anschließend nach Nordwesten drehen. Das Zentrum dürfte dabei in den kommenden Tagen nahe der südwestmexikanischen Küste entlangziehen, nach derzeitigem Stand aber über dem Pazifik bleiben.
Entwarnung bedeutet das nicht. Für Teile der Küste gelten Warnungen vor Tropensturm-Bedingungen. Vor allem in den Bundesstaaten Guerrero und Michoacán drohen schwere Regenfälle, Sturzfluten und Erdrutsche. Auch Oaxaca, Colima und Jalisco können betroffen sein. Hohe Wellen und gefährliche Strömungen stellen nach Angaben des NHC ein zusätzliches Risiko dar.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum sagte am Dienstag, nach den bisherigen Informationen werde Polo voraussichtlich nicht direkt auf Land treffen, sondern insbesondere an Jalisco, Colima und Michoacán vorbeiziehen. Sie rief die Bevölkerung entlang der Pazifikküste dennoch zu besonderer Wachsamkeit auf.
In mehreren Regionen reagierten die Behörden bereits. In Teilen der Pazifikküste wurde der Schulunterricht ausgesetzt. Allein im Bundesstaat Michoacán bleiben am Dienstag und Mittwoch Schulen in sieben Gemeinden der Region Sierra-Costa geschlossen. Die Behörden warnten Einwohner davor, überflutete Straßen oder Flussläufe zu durchqueren und riefen dazu auf, die weitere Entwicklung des Sturms zu verfolgen.
Meerwasser von 31 Grad treibt Hurrikan an
Schon am Montag hatte das NHC vor einer ungewöhnlich schnellen Verstärkung gewarnt. Die Bedingungen über dem östlichen Pazifik seien für Polo nahezu ideal gewesen: geringe Windscherung, hohe Luftfeuchtigkeit und außergewöhnlich warmes Meerwasser. Entlang der Zugbahn lagen die Temperaturen an der Oberfläche bei rund 31 Grad Celsius. Die Wärme reichte nach Messungen zudem 50 bis 100 Meter tief, sodass der langsam ziehende Sturm kaum kühleres Wasser aus tieferen Schichten nach oben ziehen konnte.
NHC-Meteorologe Eric Blake hatte die Modellwerte bereits am Montag als außergewöhnlich bezeichnet. Einige Berechnungen deuteten auf ein Intensivierungsereignis hin, das statistisch in den äußersten Bereich der bisherigen Beobachtungen fallen könnte. Das Zentrum prognostizierte deshalb schon früh einen sehr starken Hurrikan.
Die extreme Verstärkung erinnert an zwei verheerende Hurrikane der vergangenen Jahre. Patricia entwickelte sich 2015 vor Mexiko explosionsartig zu einem Kategorie-5-Sturm. Im Oktober 2023 verstärkte sich Otis innerhalb weniger Stunden und traf Acapulco nahezu ohne lange Vorwarnzeit mit Kategorie 5. Mindestens 68 Todesfälle wurden nach Angaben der Behörden später bestätigt, die Schäden wurden von mexikanischen Wirtschaftsverbänden auf rund 16 Milliarden US-Dollar geschätzt.
El Niño sorgt für ungewöhnlichen Gegensatz
Die diesjährige Hurrikansaison zeigt zugleich einen bemerkenswerten Gegensatz zwischen den beiden Ozeanen. Während Polo im Pazifik explosionsartig an Stärke gewann, hat sich im Atlantik bis zum 22. September noch kein einziger Hurrikan gebildet. Seit Beginn der Satellitenbeobachtung gab es dort keinen späteren Saisonstart.
Eine wichtige Rolle spielt das derzeit starke Klimaphänomen El Niño. Es begünstigt im östlichen Pazifik Bedingungen, unter denen sich tropische Wirbelstürme entwickeln können. Im Atlantik führt El Niño dagegen häufig zu stärkerer Windscherung, die entstehende Stürme auseinanderreißen kann.
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