Ein Supertanker hat kurz vor der Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer kehrtgemacht, wie Bloomberg unter Berufung auf Schiffverfolgungsdaten berichtet. Der unter der Flagge von Hong Kong fahrende Tanker „New Champion“ sollte dem Bericht zufolge im saudischen Hafen Yanbu am Roten Meer Rohöl für einen chinesischen Käufer laden.
Der leere Supertanker näherte sich vom Golf von Aden aus dem Nadelöhr Bab al-Mandab, kam dann fast zum Stillstand – und drehte laut Bloomberg am späten Freitag ab. Nun fährt das Schiff offenbar mit einer Geschwindigkeit von rund 16 Knoten (etwa 30 Kilometer pro Stunde) ostwärts.
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Warum änderte der Tanker seinen Kurs?
Warum genau der Tanker umkehrte, ist unklar. Bloomberg berichtet allerdings von einem möglichen Grund: Einige Versicherer weigerten sich zuletzt, Schiffe mit Kurs auf Saudi-Arabien überhaupt noch abzusichern – aus Angst vor Angriffen. Damit scheint New Champion nach Bloomberg-Angaben der erste chinesische Tanker zu sein, der im und rund um das Rote Meer wegen der erhöhten Gefahr den Kurs geändert hat.
Während westliche Reeder das Rote Meer schon länger meiden, floss saudisches Öl über Yanbu laut Bloomberg bisher weiter nach China. Laut Daten des Analysehauses Kpler waren das in diesem Jahr rund 520.000 Barrel pro Tag. Diese Lieferungen waren zuletzt sogar gestiegen. Der Grund: Saudi-Arabien leitete während des Iran-Kriegs Öl-Exporte auf Yanbu um, um die iranische Blockade der Straße von Hormus zu umgehen.
Saudi-Arabien und Huthi-Miliz greifen sich gegenseitig an
Zuletzt hatten sich die Spannungen im Roten Meer deutlich verschärft. Die Huthi-Miliz im Jemen kündigte Anfang der Woche eine Blockade gegen Schiffe mit Bezug zu Saudi-Arabien an. Am Freitagabend erklärte die von Saudi-Arabien angeführte Koalition im Jemen laut Reuters, Ziele der Huthi in Hudaida angegriffen zu haben.
Griechische Sicherheitskreise teilten der Nachrichtenagentur mit, dass Luftverteidigungssysteme in Saudi-Arabien am Samstag zwei ballistische Raketen aus dem Jemen abgefangen hätten, die auf Ölraffinerien in Yanbu abzielten. Griechenland hat laut dem Bericht seit dem Jahr 2021 ein Patriot-Flugabwehrsystem in Saudi-Arabien stationiert.
Nicht alle drehen ab: Andere Tanker kamen durch
Trotz der Gefahr wagen sich weiter Schiffe in die Region. Reuters berichtete bereits am Donnerstag, dass zwei chinesische Supertanker mit zusammen vier Millionen Barrel saudischen Öls das Rote Meer durch Bab al-Mandab verließen – offenbar unbehelligt. Beide hatten in Yanbu geladen und steuerten südchinesische Häfen an. Damit waren sie die ersten Tanker mit saudischem Öl, die das Rote Meer seit Beginn der Blockade ungehindert verließen.
Hinter ihnen folgen weitere Schiffe: Laut Bloomberg näherte sich der mit saudischem Rohöl beladene Tanker „New Explorer“ Bab al-Mandab, während ein weiteres Schiff, die „New Pearl“, früh am Samstag Yanbu verließ.
Zwei Meerengen blockiert: Tanker nimmt Umweg über Suezkanal
Die Blockade verschärft laut Reuters eine ohnehin angespannte Lage in der Region. Denn gleichzeitig ist die Straße von Hormus wegen der wieder aufgeflammten Kämpfe zwischen den USA und Iran praktisch geschlossen.
Der Verkehr durch beide Meerengen ist deutlich eingeschränkt. Am Mittwoch passierten laut LSEG-Daten 27 Schiffe die Bab al-Mandab – nach 38 am Vortag, wie Reuters berichtet. Einige Reeder weichen auf teure Umwege aus: Ein für Japan bestimmter Tanker verlängerte laut Bloomberg seine Reise durch den Umweg über den Suezkanal und um Afrika von Anfang August bis Ende September.
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