Mehr als 3400 Menschen sind nach Angaben der staatlichen, dschibutischen Nachrichtenagentur ADI innerhalb von 48 Stunden aus dem Jemen an der Nordküste Dschibutis angekommen. Allein am Sonntagmorgen seien mehr als 2000 Menschen vor der Küstenstadt Obock gerettet worden. Unter ihnen sollen sich zahlreiche Frauen und Kinder befinden.
Die Menschen fliehen vor den erneut eskalierten Kämpfen im Jemen. Die pro-iranischen Huthis hatten kürzlich bei einer Offensive den Hafen Mokka und die strategisch wichtige Insel Mayyun im Bab al-Mandab eingenommen. Gleichzeitig rückten sie entlang der Küste vor.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk bezifferte die Zahl der seit Beginn der jüngsten Kämpfe innerhalb des Jemen Vertriebenen laut Reuters inzwischen auf mehr als 100.000. Unsicherheit, beschädigte Infrastruktur und unterbrochene Kommunikationsverbindungen erschwerten die Versorgung.
Überfüllte Boote erreichen Obock
Aufnahmen des dschibutischen Staatsfernsehens RTD zeigen dicht besetzte Holzboote und größere Schiffe vor Obock. Soldaten halfen den Menschen beim Verlassen der Boote. Viele hatten lediglich Säcke mit Kleidung, Wasserbehälter und andere persönliche Gegenstände bei sich.
Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration erschwert der Treibstoffmangel im Jemen die Überfahrt. Weitere Familien warteten auf der jemenitischen Seite darauf, das Land verlassen zu können, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Kinder seien während der Reise großer Hitze, Wassermangel und der Gefahr der Dehydrierung ausgesetzt.
Obock liegt an der schmalsten Stelle des Bab al-Mandab gegenüber dem Jemen. Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und gehört zu den wichtigsten Handelswegen der Welt.
Dschibuti bereitet sich auf weitere Ankünfte vor
Dschibutis Ministerpräsident Abdoulkader Kamil Mohamed besuchte am Sonntag die Aufnahmezentren in Obock. Er traf dort nach Angaben von ADI Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks, der Internationalen Organisation für Migration und des Welternährungsprogramms.
Die Behörden bereiten sich darauf vor, bis zu 10.000 Menschen aufzunehmen, sollte die Fluchtbewegung anhalten. Viele der Neuankömmlinge werden im Lager Markazi bei Obock untergebracht, andere kamen zunächst bei Einwohnern der Stadt unter.
Für Dschibuti mit weniger als 1,2 Millionen Einwohnern stellt der schnelle Zustrom eine erhebliche Belastung dar. Das Land beherbergt bereits Zehntausende registrierte Flüchtlinge und Asylsuchende aus Somalia, Äthiopien und dem Jemen. Hilfsorganisationen warnen, ihre Mittel könnten bei anhaltend hohen Ankunftszahlen nicht ausreichen.
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