Huub Stevens soll ein Wunder bewirken. Er soll den FC Red Bull Salzburg in die Champions League führen

Druck im Becken

Martin Henkel
3 Min

BERLIN. Es gibt beim FC Red Bull Salzburg ein Kriterium, mit dem ermitteln die Geschäftsführer des amtierenden österreichischen Meisters gern den Zeitpunkt, wann es notwendig wird, einem Trainer Lebewohl zu sagen. Es entschied Kurt Jaras Schicksal im ersten Jahr nach der Übernahme durch den Brausefabrikanten Dietrich Mateschitz, es lag der Entlassung Giovanni Trapattonis und der von Jacobus Adriaanse zugrunde. Und gilt es noch immer, so muss sich Huub Stevens, 55, schleunigst etwas einfallen lassen. Sonst muss auch er alsbald seinen Spind räumen.Es ist der Gegentreffer, ein Plural in der Praxis, der in vier Jahren vier Trainern zum Verhängnis wurde. Jaras Elf ließ 42 von ihnen zu, Trapattonis Männer im Entlassungsjahr 2007 auch und Adriaanses Mannschaft gar 50. Da half dem Niederländer kein Meistertitel und kein Hinweis auf die Schießbuden der Liga, Mattersburg mit 71, Kapfenberg mit 81 oder SCR Salzach mit 90 Gegentoren, er musste nach nur einem Jahr packen. Und jetzt, vier Spieltage sind vorüber, da ist es auch um Stevens gar nicht gut bestellt. Es sind schon wieder sechs, und rechnet man das auf 36 Spieltage hoch, da braucht es wohl bald schon wieder einen Neuen.Es sei denn, Stevens vollbringt, wonach sich die Klubvorderen so sehr sehnen: die Teilnahme an der Champions League. Dann könnte seine Elf so viele Gegentore kassieren, wie sie möchte. Ein Gesamterfolg aus den beiden Spielen gegen Maccabi Haifa - und Huub Stevens wäre sakrosankt.Unscheinbar wie TransnistrienHaifa, das klingt wie Sheriff Tiraspol aus dem russischen Marionettenstaat Transnistrien oder wie FC Timisoara aus Rumäniens Siebenbürgen. Aber so klingt auch Red Bull Salzburg, und deshalb hat Stevens seine Augen vor der Wirklichkeit nicht verschlossen und erklärt: "Haifa ist ein starker Gegner, den wir auf gar keinen Fall unterschätzen dürfen." Aber Stevens wäre nicht Stevens, als Spieler des PSV Eindhoven 1978 Uefa-Cup-Sieger und als Trainer mit Schalke 1996 Uefa-Cup-Sieger, hätte er sich nicht auf die beiden Spiele vorbereitet. Material habe man zusammengetragen, sagte Stevens, und daraus den Schluss gezogen, "dass Maccabi Haifa gern offensiv spielt". "Aber", so Stevens, "davon lassen wir uns nicht überraschen."Natürlich nicht. Kein Trainer gibt gern zu, dass ihm nicht wohl ist, sobald er an den Gegner denkt - oder an die eigene Elf. Aber wie seine Vorgänger wird auch Stevens nicht jede Nacht ruhig schlafen, sinnt er nur intensiv darüber nach, wohin es ihn verschlagen hat: in die Tipp3-Bundesliga, zu einem Klub, der mit 50 Millionen Euro Budget für die Gegner aus Wien, Ried und Neustadt zu groß, aber mit Spielern wie dem 35 Jahre alten Alexander Zickler (ehedem FC Bayern München) oder dem zweiten Deutschen Simon Cziommer (früher AZ Alkmaar) für Europa zu klein ist. Zweimal schon rang Salzburg mit Valencia und Schachtjor Donezk um den Einzug in die Champions League, zweimal vergebens.Was Huub Stevens, der dem Hamburger SV 2008 mit der Begründung den Rücken kehrte, er wolle in den Niederlanden seiner kranken Frau näher sein, trotzdem ins Salzburger Becken gelockt hat? Mit Sicherheit ein ordentliches Gehalt, die umliegenden Skipisten winters und die blühenden Wiesen sommers sind auch nicht zu verachten, und wohl die Aussicht auf mindestens sechs Spiele in Europas strahlendstem Wettbewerb. Da spielt es auch keine Rolle, wie viele Gegentore es am Ende sein werden. Denn schließlich weiß auch der eigentlich entschiedene Vertreter des Zu-Null-Fußballs: Länger als zwei Jahre arbeitet bei diesem Verein sowieso keiner.------------------------------Foto: "Haifa kann uns nicht überraschen": Salzburgs neuer Trainer Stevens.

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