Kultur

„Ich bin keine Jazz-Missionarin“: Jazzfest-Chefin Nadin Deventer im Interview

Raus aus der Nische, rein in die Stadt: Nadin Deventer über die Jazz-Legende Anthony Braxton, Kultur gegen Spaltung, die Kraft des Kiezes und den Puls der Stadt.

12 Min
Nadin Deventer (hier im Archivbild) ist seit 2018 die Künstlerische Leiterin des Jazzfest Berlin, das vom 29. Oktober bis 1. November 2026 an vielen Orten in der Stadt den Jazz zelebriert.

Nadin Deventer (hier im Archivbild) ist seit 2018 die Künstlerische Leiterin des Jazzfest Berlin, das vom 29. Oktober bis 1. November 2026 an vielen Orten in der Stadt den Jazz zelebriert.

© Camille Blake

Einst standen Legenden wie Duke Ellington und Miles Davis auf den Bühnen beim Berliner Jazzfest, und bereits zur Premiere 1964 (damals noch unter dem Namen Berliner Jazztage) beschwor Martin Luther King in seinem Grußwort die politische Kraft des Jazz.

Vom 29. Oktober bis 1. November 2026 verbindet die Festivalleiterin Nadin Deventer diese historische Strahlkraft mit zivilgesellschaftlicher Erneuerung. An vielen Orten der Stadt zeigt das Jazzfest Berlin mit rund 50 Programmpunkten, mehr als 135 Künstlern aus mehr als 25 Ländern und kostenfreien Projekten in Berlin-Moabit, was Kultur in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung leisten kann.

Im Interview spricht Nadine Deventer über Mut zu Risiken – und erklärt, warum Musik Grenzen überwinden muss.

Frau Deventer, Sie haben unter anderem Jazzmusik studiert. Wie und wann entstand bei Ihnen die Leidenschaft für den Jazz – gab es da ein bestimmtes Album oder ein Konzert als Schlüsselerlebnis?

Der Auslöser war das Selbermachen, also das eigene Musizieren. Ich bin in einem kleinen Dorf im Münsterland groß geworden. Dort gab es eine sehr ambitionierte private Musikschule, die in meiner Jugend über viele Jahre hinweg einen deutsch-amerikanischen Jazz-Austausch organisiert hat.

In den Sommerferien kamen drei Wochen lang amerikanische Jugendliche und Dozent:innen nach Ibbenbüren und wohnten in Gastfamilien. Im darauffolgenden Jahr reisten wir alle für drei Wochen in die USA. Durch dieses Gewächs und diese Musikschule sind extrem viele professionelle Musiker:innen aus Ibbenbüren und der Umgebung hervorgegangen.

Der Donots-Sänger Ingo war genau einen Jahrgang über mir. Ich hatte damals eine Mädchen-Punkband namens Bautrupp Atlantis – und wir haben tatsächlich einen Schüler:innen-Bandwettbewerb gegen die Donots gewonnen!

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