Frau Thiemen, wie würden Sie jemandem Charlottenburg beschreiben, der noch nie in seinem Leben dort war?Ich würde immer mit dem Kudamm beginnen, weil der am bekanntesten ist. Nördlich von diesem Boulevard, an dem man sich gut und gern einen Tag aufhalten kann, erstreckt sich Charlottenburg. Dort gibt es viele Wohnstraßen, es gibt natürlich die Gedächtniskirche und den Bahnhof Zoo, mehr als 100 Galerien, unzählige Restaurants, das ICC, die Messehallen und das Olympiastadion und vornehme Villen. Und: Charlottenburg ist sehr grün.Das Schloss Charlottenburg haben Sie jetzt aber unterschlagen .Stimmt. Aber nicht nur das Schloss. Charlottenburg ist ja noch viel mehr.Benannt wurde es nach der ersten Königin Preußens. Ist Sophie Charlotte eine würdige Namensgeberin?Absolut. Sie war ja eine sehr gebildete Frau. Charlottenburg ist übrigens der einzige Teil Berlins, der im Namen einen Bezug zu einer Frau hat. Darauf können wir wirklich stolz sein.Wo ist Charlottenburg am schönsten?Ich liebe es, durch das Schloss zu gehen und den Park dahinter. Es ist wunderschön zu sehen, wie sich die Landschaft verändert, und reizvoll, dass das Wasser so nahe ist. Es ist sehr abgeschieden dort - auch, wenn andere Leute da sind. Schön ist es auch, im Funkturmrestaurant zu Abend zu essen und auf die Stadt zu schauen. Und der Brixplatz ist toll - dort gibt es alles, was das Berliner Umland bietet: Tief- ebene, Teich, Bäume, einen Schaugarten. Dort quaken die Frösche, im Sommer gibt es Libellen - und wo auch immer man steht, bietet sich einem eine neue Perspektive.Nehmen wir an, Sie könnten etwas ändern in Charlottenburg, was eigentlich nicht in Ihrer Macht steht. Was würden Sie tun?Ich würde für eigene Steuereinnahmen sorgen und davon Straßen, Parks, Schulen, Kindergärten und Spielplätze in Ordnung bringen.Seit 2001 bildet Charlottenburg mit Wilmersdorf einen Bezirk. Passen die beiden überhaupt zusammen?Auf den ersten Blick schon. Tatsächlich gibt es viele Unterschiede. Die Charlottenburger haben ein geringeres Einkommen, eine niedrigere Lebenserwartung, geringere Bildungsabschlüsse und eine höhere Säuglingssterblichkeit. Berlinweit rangiert Charlottenburg bei solchen Dingen im Mittelfeld, Wilmersdorf hingegen fast ganz oben.Wo waren Sie zuletzt privat in Charlottenburg?Ach, das ist kompliziert. Ich bin sehr viel dienstlich in Charlottenburg unterwegs. Und wenn ich mal wirklich Zeit habe, bin ich gern in unserem Kleingarten. Der befindet sich allerdings in Wilmersdorf.Was wünschen Sie sich für Charlottenburg?Dass es weiter so vielfältig bleibt und weltoffen, dass seine Bewohner trotz ihrer Unterschiede friedlich zusammenleben und dass der Name noch lange erhalten bleibt.Das Gespräch führte Claudia Fuchs.------------------------------Foto: Monika Thiemen (SPD) ist seit 2001 Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf. Die 50-jährige Diplom-Verwaltungswirtin wurde in Wilmersdorf geboren und lebt auch dort.
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