Vom 1. bis 18. Mai werden sich die Theatermacher und Theaterliebhaber aus dem In- und Ausland wieder zur Bestenschau des deutschsprachigen Theaters in Berlin treffen. Das Herzstück des Theatertreffens sind wie immer die von der Kritiker-Jury ausgewählten zehn bemerkenswertesten Inszenierungen der letzten Saison - zu erleben in diesem Jahr neben dem Haus der Berliner Festspiele im Deutschen Theater Berlin, Maxim Gorki Theater und alten Postbahnhof am Gleisdreieck (STATION Berlin). Begleitet wird das Theaterfest von einem umfangreichen Rahmenprogramm.DIE ZEHN AUSGEWÄHLTEN INSZENIERUNGENEröffnet wird das Theatertreffen mit Christoph Schlingensiefs schonungslos persönlichem Fluxus-Oratorium "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir", in dem der Universal-Künstler und Beuys-Jünger seine eigene schwere Erkrankung thematisiert und mit Gospel- und Kinderchor eine Messe auf dem Theater feiert. Der Burg-Schauspieler Joachim Meyerhoff spricht auf andere Weise von sich selbst: In "Alle Toten fliegen hoch", Teil eins bis drei, ist er Autobiograf und Autor, sein eigener Regisseur und Interpret sowieso und lässt in einer fünfstündigen Aktion das Leben seiner Familie als farben- und facettenreiche Erzählung wieder auferstehen.Neben den "Ich-Sagern" ist in anderen der ausgewählten Inszenierungen das Individuum ins Verhältnis gesetzt zum Kollektiv. So spielt das Chorische genauso in Nicolas Stemanns Interpretation von Schillers Sturm- und Drang-Stück "Die Räuber" eine zentrale Rolle wie - wenn auch ganz anders - in Andreas Kriegenburgs Romanbearbeitung von Kafkas "Der Prozess". Und ganz besonders in "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?", einer Bearbeitung von Peter Weiss' 60er-Jahre-Stück, in Kurzform als "Marat/Sade" bekannt. Der Regisseur Volker Lösch hat aus seinem mit Hartz-IV-Empfängern besetzten Revoluzzer-Chor individuelle Schicksale herauskristallisiert. Ob alle Stimmen von einem individuellen Leben skandieren oder eine Stimme von der Armut aller redet - niemanden im Zuschauerraum wird dies unberührt lassen.Mit zwei höchst unterschiedlichen, in ihrer Art jeweils exemplarischen Inszenierungen ist der Regisseur Jürgen Gosch beim Theatertreffen vertreten. In der "Möwe" setzt er zusammen mit Ausstatter Johannes Schütz seine Tschechow-Erkundungen am Deutschen Theater Berlin fort. Dabei gelingt ihnen und dem Ensemble das Kunststück, die Figuren und ihre Beziehungen auf der Bühne wahrhaftig neu entstehen zu lassen. Roland Schimmelpfennigs "Hier und Jetzt" über eine mehr oder weniger gehässige Hochzeitsgesellschaft wurde 2008 in der Regie von Jürgen Gosch am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt und ist nun in Berlin zu erleben. Für ihre Verdienste um das deutschsprachige Theater wird das Team Gosch/Schütz mit dem diesjährigen Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung im Rahmen eines Bühnenfestes im Deutschen Theater Berlin geehrt.DISKUSSIONEN, FILME, KONZERTE UND NOCH VIEL MEHRDas Rahmenprogramm des Theatertreffens umfasst unter anderem wieder hochkarätig besetzte Diskussionen. Unter dem Thema "Identitäten und Biografien im Rampenlicht" werden Carolin Emcke, Volker Lösch, Christoph Schlingensief und Frank-Walter Steinmeier über einen angemessenen Umgang mit der mediatisierten, inszenierten und politischen Privatheit diskutieren (Sonnabend, 2. Mai, 18 Uhr). Und Christine Dössel, Matthias Lilienthal, Volker Lösch und Armin Petras sprechen über "Theater in Zeiten der Krise" (Freitag, 8. Mai, 17.30 Uhr).Bei den Preisverleihungen gibt es in diesem Jahr eine Neuerung: Beim "Preiskampf" um den 3sat-Preis kämpfen vier Experten live und vor laufenden Kameras um ihre jeweiligen Kandidaten (Sonnabend, 16. Mai, 21.15 Uhr, zeitgleich auf 3sat). Das "Dotschy Reinhardt Ensemble" und die Bands "Trikot", "Hitboutique" und "Dr. Bajan" machen in der Reihe "Nachtmusik" die Kassenhalle zum Konzertort.STÜCKEMARKT UND THEATERTREFFEN-BLOGDer "Stückemarkt" stellt wieder fünf neue europäische Stücke in szenischen Lesungen vor. Fünf weitere Autoren präsentieren als Abschluss des Dramatiker-Workshops ihre "Minidramen". Neu in diesem Jahr ist der Theatertreffen-Blog: journalistisch und medial eine Weiterentwicklung der bisherigen Festivalzeitung. Sechs Nachwuchskulturjournalisten und ein Fotograf reflektieren im Blog das Festival vor, hinter und auf der Bühne und fangen die Festival-Atmosphäre in Wort, Bild und Ton ein. Please enter ab 1. Mai: www.theatertreffen-blog.de!------------------------------THEATERTREFFENvom 1. bis 18. Mai.Veranstalter: Berliner Festspiele.Ein Geschäftsbereich der Kulturveranstaltungen desBundes in Berlin GmbH.Karten online ab Sonnabend, 25. April, 10 Uhr.Restkarten ab Mittwoch, 29. April,an der Kasse im Haus der Berliner Festspiele,täglich von 14 bis 18 Uhr.Abendkasse jeweils eine Stunde vor Beginn.Neu ab 1. Mai: www.theatertreffen-blog.de.Haus der Berliner Festspiele Schaperstraße 24, 10719 BerlinKartentelefon: (030) 25 48 91 00www.berlinerfestspiele.de www.theatertreffen-berlin.de------------------------------Foto: Birgit Minichmayr, hier mit Werner Wölbern, als "Der Weibsteufel" in der Inszenierung von Martin Kusej am Burgtheater, Wien------------------------------Foto: Aufgebrachte Bürgerchöre in Volker Löschs Bearbeitung des Stücks von Peter Weiss: "Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?"------------------------------Foto: Katie Mitchells multimediale Neuinterpretation von Kroetz' "Wunschkonzert"
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