Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hat vor einem raschen Schwund der kommerziellen Ölvorräte gewarnt. Angesichts des Iran-Krieges und der Blockade der Straße von Hormus reichten die Bestände nur noch wenige Wochen.
„Ich denke, sie nehmen sehr schnell ab“, sagte Birol am Montag am Rande eines Treffens der G7-Finanzminister in Paris vor Journalisten. Es handle sich um „mehrere Wochen, aber wir sollten uns der Tatsache bewusst sein, dass sie rapide sinken“, so Birol laut dem Finanzdienst Bloomberg. Die Freigabe strategischer Ölreserven habe dem Markt zusätzlich 2,5 Millionen Barrel pro Tag zugeführt, doch diese Bestände seien nicht unerschöpflich.
Kommerzielle Ölvorräte sind Rohöl- und Mineralölbestände, die von privaten Unternehmen – vor allem Raffinerien, Ölkonzernen und Händlern – zu wirtschaftlichen Zwecken gelagert werden. Sie unterscheiden sich damit von den strategischen Reserven, die von Regierungen für Notfälle angelegt werden.
Sorge um Inflation und Lebensmittelpreise
Birol verwies zudem auf den Anstieg der Preise für Dünger und Diesel zu Beginn der Reise- und Pflanzsaison. „Das könnte erhebliche Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise haben, und zusammen mit den höheren Energiepreisen könnten sie den Inflationszahlen einen kräftigen Schub geben“, sagte er.
Bereits Anfang April hatte Birol in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro gewarnt, die aktuelle Lage sei „schwerwiegender als die Krisen von 1973, 1979 und 2022 zusammen“. Der Krieg lege „eine der Lebensadern der Weltwirtschaft“ lahm. Betroffen seien nicht nur Energielieferungen, sondern auch Düngemittel und Petrochemikalien.
Über die Straße von Hormus werden nach IEA-Angaben rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gastransports abgewickelt. Die IEA-Staaten hatten nach Kriegsbeginn mit der Freigabe strategischer Ölreserven in Rekordhöhe reagiert. Dieser Prozess laufe schrittweise weiter, könne die Krise jedoch nur abmildern, so Birol im April. Entscheidend bleibe eine Wiederöffnung der Meerenge.
G7 berät über Folgen des Krieges
Das Pariser Treffen der G7-Finanzminister und Notenbankchefs am Montag steht im Zeichen der wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges sowie eines Ausverkaufs an den globalen Anleihemärkten. Der französische Finanzminister Roland Lescure, der die Beratungen leitet, sagte Bloomberg Television, vor einigen Monaten habe es bereits eine Freigabe strategischer Reserven gegeben, „und falls nötig, werden wir es in Zukunft wieder tun“.
US-Finanzminister Scott Bessent kündigte an, er werde die G7 auffordern, Sanktionen mitzutragen, die gegen die „Kriegsmaschinerie“ des Iran gerichtet seien.
Iran-Krieg leert weltweite Ölreserven in Rekordtempo
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