Die weltweiten Ölvorräte könnten vor der Hauptnachfragezeit im Sommer auf kritische Niveaus fallen, wenn der derzeitige Abbau der Lagerbestände anhalte. Das erklärte die Leiterin der Abteilung für Ölindustrie und -märkte der Internationalen Energieagentur, Toril Bosoni, laut Reuters am Dienstag auf der Middle East Petroleum and Gas Conference in London, einer Energie-Fachkonferenz des Informationsdienstes S&P Global.
„Wir sehen, dass die Lagerbestände auch im Sommer weiter sinken, und es besteht die Möglichkeit beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, dass wir kurz vor dem Höhepunkt der Sommernachfrage kritische oder historische Tiefstände erreichen“, sagte Bosoni demnach. Auf der Nordhalbkugel steigt der Kraftstoffbedarf laut Reuters im Sommer üblicherweise, da viele Menschen verreisen.
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Auch bei einer Einigung würde es laut Bosoni sechs bis acht Monate dauern, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Seit Ende Februar seien den Golf-Produzenten rund 14 Millionen Barrel Öl pro Tag an Fördermenge verloren gegangen, so die IEA laut Reuters.
Nach Angaben des IEA-Monatsberichts aus dem Mai sind die globalen Ölbestände im März und April um rund vier Millionen Barrel pro Tag gesunken, wie Bloomberg berichtete. Der Markt werde bis Oktober „massiv unterversorgt“ bleiben, selbst wenn der Konflikt zeitnah ende, hieß es. Bosoni sagte laut Bloomberg zu diesem Zeitpunkt: „Je länger die Unterbrechungen andauern und je schneller die Lagerbestände sinken, desto stärker wird der Preisdruck steigen.“
IEA: „Reduzierung müsste von Nachfrageseite kommen“
Eine weitere koordinierte Notfallfreigabe aus strategischen Reserven sei möglich, werde derzeit aber nicht diskutiert, sagte Bosoni laut Reuters. Rund die Hälfte der im März beschlossenen Freigabe von 400 Millionen Barrel sei noch nicht am Markt angekommen. „Notfall-Lagerfreigaben sind ohnehin nur eine vorübergehende Notlösung“, sagte sie.
Sie fügte hinzu: „Das Ausmaß der Angebotsverluste ist so groß, dass die Reduzierung von der Nachfrageseite kommen müsste“. Wenn Preise steigen, werden Käufer gezwungen, ihre Käufe zu reduzieren, wodurch ein neues Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage entsteht. Die chinesischen Rohölimporte lagen im Mai laut Reuters sechs Millionen Barrel pro Tag unter dem März-Niveau, was ein ausgleichender Faktor auf dem Markt gewesen sei.
Futures der Ölsorte Brent notierten dem Bericht zufolge am Dienstag bei knapp 94 US-Dollar pro Barrel, nach einem Vorkriegsniveau von rund 70 Dollar und einem Höchststand von über 126 Dollar im laufenden Jahr. Produzenten in Nord- und Südamerika weiteten laut Reuters ihre Förderung aus, böten aber laut Bosoni nur einen „marginalen Ausgleich“ für die Verluste im Nahen Osten.
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